Deutsche Bank Guter Kunde, schlechter Kunde

Das Finanzinstitut soll verdächtige Geschäfte von US-Präsident Donald Trump gedeckt haben.

Von Claus Hulverscheidt und Meike Schreiber, New York/Frankfurt

Der Trump World Tower in New York. Das Wohngebäude gehört dem US-Präsidenten, dessen Finanzen gerade vom Kongress geprüft werden.

(Foto: Regina Schmeken)

Der Bericht, den Tammy McFadden im Sommer 2016 an ihre Vorgesetzten schickte, hatte es in sich, entsprechend sicher war sich die Geldwäscheexpertin der Deutschen Bank im US-Bundesstaat Florida, dass er in den Firmenzentralen in New York und vielleicht sogar in Frankfurt für viel Betrieb sorgen würde. Gleich mehrere Firmen Jared Kushners, des Schwiegersohns von Präsidentschaftskandidat Donald Trump, so schrieb sie, hätten über ihre Konten bei der Bank Überweisungen getätigt, die bei internen Kontrollen als verdächtig eingestuft worden seien. Kurz darauf meldeten Kollegen McFaddens gar, die bankinternen Warnprogramme hätten auch bei Geschäften des künftigen Präsidenten selbst Alarm geschlagen. Doch die Reaktionen ihrer Chefs fielen anders aus, als die Deutsche-Bank-Bediensteten es empfohlen hatten. Statt die Geschäfte an das US-Finanzministerium, die Börsenaufsicht oder eine andere Behörde zu melden, taten die Bosse: gar nichts.

So jedenfalls haben es McFadden und vier ihrer früheren Mitstreiter jetzt der New York Times geschildert, die ausführlich über den Verdacht gegen Trump und Kushner berichtet. Ob die Überweisungen, die gleich mehrere Unternehmen und Stiftungen des heutigen Präsidenten und seines vielleicht wichtigsten Beraters tätigten, in irgendeiner Form anrüchig oder gar gesetzeswidrig waren, ist offen - Immobilienentwickler, wie Trump und sein Schwiegersohn es damals waren, sind dafür bekannt, ab und zu auch große Summen zwischen dem In- und Ausland hin- und herzuschieben. Unstrittig ist aber wohl, dass die Transaktionen bei der automatisierten, bankinternen Prüfung auffielen und als verdächtig deklariert wurden. Von offensichtlichen Fehlmeldungen abgesehen, werden in solchen Fällen die Aufsichtsbehörden informiert.

Dass das bei Trump und Kushner nicht geschah, hängt aus Sicht McFaddens mit der Sorge ihrer Chefs zusammen, es sich mit guten Kunden zu verscherzen, die fortan sogar über große politische Macht verfügen sollten. "Du legst ihnen alles vor, gibst eine Empfehlung ab - und nichts passiert", sagt die Geldwäscheexpertin mit Blick auf ihre Vorgesetzten heute. "Das ist die Art, wie so etwas bei der DB gehandhabt wird: Sie neigen dazu, alles zu ignorieren."

McFadden ist mittlerweile nicht mehr für die Deutsche Bank tätig, sie verlor nach eigener Aussage 2018 ihren Job, nachdem sie sich intern über den angeblich laxen Umgang des Instituts mit Geldwäsche-Verdachtsfällen beklagt hatte. Die Deutsche Bank in Frankfurt wies den Vorwurf am Montag zurück. Man habe interne Ermittler "zu keiner Zeit davon abgehalten, Aktivitäten, die als womöglich verdächtig eingestuft wurden, nach oben weiterzugeben", hieß es in einer Erklärung. Die Mutmaßung, man feuere Mitarbeiter, um unliebsame Erkenntnisse unter der Decke halten zu können, sei gar "absolut falsch". Interessant an der Stellungnahme ist allerdings, dass sie mit keinem Wort auf den Kern des Times-Berichts eingeht, also auf die Frage, warum die Bank die verdächtigen Transaktionen nicht an die Behörden meldete. Stattdessen heißt es ganz allgemein, die internen Geldwäsche-Verdachtskontrollen seien in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet worden.

Für die Deutsche Bank kommen die neuen Enthüllungen zur Unzeit, denn das Geldhaus ist bereits wie kein anderes im Visier des US-Parlaments. Gleich mehrere Ausschüsse des Repräsentantenhauses haben von dem Institut Unterlagen angefordert, von denen sie sich Aufschluss darüber erhoffen, ob Trump Geschäfte mit russischen Firmen oder Personen tätigte, die im Verdacht stehen, die Präsidentschaftswahl von 2016 zu seinen Gunsten beeinflusst zu haben. McFadden zufolge floss zumindest bei einigen der Transaktionen Kushners, die intern unter Geldwäscheverdacht stehen, Geld an russische Privatleute.

Nach allem, was man weiß, war die Deutsche Bank zuletzt das einzige oder eines der ganz wenigen Geldhäuser, die mit Trump noch Geschäfte machte. Die großen US-Banken lehnten es nach einer Vielzahl unliebsamer Erfahrungen schon lange ab, weiter mit dem damaligen Immobilienunternehmer und heutigen Präsidenten zusammenzuarbeiten. Trump selbst reagierte am Montag mit einer wütenden Tirade auf den Times-Bericht und erklärte, nicht die Banken hätten auf eine Kooperation verzichtet, sondern er selbst - "weil ich kein Geld brauchte". Er habe vielmehr immer über genügend Barmittel verfügt. "Aber woher hatte er all dieses Bargeld? Aus Russland vielleicht? Nein, ich habe ein großes Geschäft aufgebaut", schrieb er im Kurzmitteilungsdienst Twitter. An die Deutsche Bank habe er sich nur gewandt, weil mit dieser die Zusammenarbeit "sehr gut und hoch professionell" gewesen sei.

In US-Medienberichten hatte es dagegen stets geheißen, das Frankfurter Geldhaus habe sich nur deshalb viel länger als alle anderen auf Trump eingelassen, weil es partout auf dem US-Markt habe Fuß fassen wollen. Nach SZ-Informationen warnen Bankmitarbeiter intern schon länger, dass nicht die Kredite an den heutigen Präsidenten das eigentliche Problem des Instituts seien, sondern dessen Transaktionen, also Zahlungen der Trump-Familie an Personen aus verdächtigen Ländern, die über Deutsche-Bank-Konten liefen.

Die Aktie des Geldhauses fiel nach Bekanntwerden des Times-Berichts am Montag vorübergehend auf 6,61 Euro und erreichte damit den bisher tiefsten Stand. Wenige Tage vor der Hauptversammlung dürfte das den Zorn vieler Anteilseigner zusätzlich befeuern: Ob Aufsichtsratschef Paul Achleitner und der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing an diesem Donnerstag entlastet werden, ist damit noch einmal unsicherer geworden, als es ohnehin schon war.