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Deutsche Bank:Ackermanns größter Fehler

Alles harter Stoff für Jain, der das Geschäft mit windigen Finanzprodukten vorangetrieben hat, die später als "toxisch", als giftig galten und 2007/2008 die Finanzkrise ausbrechen ließen. Dass der Markt faul war, zeigte sich am Beispiel des Hypothekenfinanzierers Mortgage IT, den die Deutsche Bank 2006 unter der Regie von Jain ("signifikantes Geschäftspotential") kaufte: Er musste Ende 2008 nach massiven Verlusten dicht machen. Mortgage IT ist jene Firma, die vom US-Staat Millionen erschwindelt haben soll. Ackermann nannte den Kauf einmal einen der größten Fehler seiner zehnjährigen Amtszeit. Er sei von vorneherein skeptisch gewesen, habe sich aber überreden lassen. Von wem, wollte er nicht sagen, aber es liegt auf der Hand.

Die Bank erklärt als Reaktion auf die Vorwürfe lediglich, man habe wie viele andere Banken auch Anfragen von verschiedenen Behörden zum Geschäft mit Wohnungsbaukrediten erhalten. Gegen Vorwürfe, die man für falsch halte, werde man sich wehren. Und Mitarbeiter streuen, Jain habe nicht gewusst, was da an der Basis in den USA geschah.

Am Donnerstag wird der Inder neben Ackermann und den anderen Vorständen auf einer Pressekonferenz über die Bilanz Auskunft geben und über mehr als sechs Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Im April dann werden die Top-Führungskräfte auf einer Strategietagung in Montreux eingeschworen. "Die Deutsche Bank", findet Jain, "muss als globaler Gewinner aus der Krise hervorgehen." Die Konjunktur habe sich leicht aufgehellt, gibt er zu Protokoll. Sein Mit-Vorsitzender Fitschen dagegen meint, der "Angst-Indikator" sei in der Wirtschaft heute höher als 2008: "Irgendetwas stimmt nicht. Das Vertrauen ist verschwunden."

Da kommt er der Wahrheit sehr nahe.

© SZ vom 30.01.2012/hgn
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