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Finanzberatung:EZB: Deutsche Bank räumt nicht gründlich genug auf

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Eigentlich wollte das größte deutsche Geldhaus seinen Skandal um Fehlberatung in Spanien längst abgehakt haben. Doch die Europäische Zentralbank ist mit der internen Untersuchung nicht zufrieden.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

In einem großen Konzern wie der Deutschen Bank geht immer einmal etwas schief, sei es, dass jemand Kunden die falschen Anlageprodukte verkauft oder die Geldwäsche-Abwehr nicht perfekt funktioniert. Aber wenn doch einmal Regeln verletzt werden, dann werde es heutzutage ordentlich aufgearbeitet - so das Mantra der Führungsriege um Vorstandschef Christian Sewing. Das Geldhaus habe schließlich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) sehen das nun offenbar anders - konkret geht es um eine fast abgeschlossene Untersuchung der Bank zu womöglich falscher Finanzberatung von Kunden in Spanien, die intern den Projektnamen "Teal" trägt. Nach SZ-Informationen hat sich die Aufsicht schon vor Monaten darüber beklagt, die Bank habe die Vorwürfe nicht ausreichend konsequent aufgearbeitet. Am Sonntag berichtete die Financial Times (FT), die Aufseher seien wohl nach wie vor nicht zufrieden mit den internen Untersuchungen, die nun kurz vor dem Abschluss stünden. Herausgekommen war dabei, dass einige Vertriebsmitarbeiter im Devisenhandel in London Derivate an kleine und mittelgroße spanische Unternehmen verkauft hatten, obwohl sie wussten, dass die Produkte für diese Kunden zu komplex waren. Abgesehen davon seien aber auch die Kontrollen schwach gewesen. In der Führungsriege konnte man dennoch wohl niemanden dafür verantwortlich machen: Zwar hat sich das Geldhaus dem Vernehmen nach in dem Zusammenhang auch von hochrangigen Mitarbeitern getrennt, fand aber wohl kein Fehlverhalten und zahlte Abfindungen.

Sowohl die EZB als auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin haben laut FT gegenüber der Bank ihre Enttäuschung zu der Untersuchung zum Ausdruck gebracht. Bemängelt wurden demnach zum einen methodische Unzulänglichkeiten, zum anderen, dass die Bank so viel Zeit für die Untersuchung und die Sanktionierung der Mitarbeiter benötigt hätte. Wer im Vorstand derzeit für die Investigation zuständig ist? Daraus macht die Bank indes ein Geheimnis.

Die Bank musste bereits viele Kunden entschädigen

Die Geschäfte liefen seit vielen Jahren und endeten wohl erst Ende 2019, nachdem ein interner Whistleblower darauf aufmerksam und damit die Untersuchung angestoßen hatte. Im Vorstand war zuletzt Konzernchef Christian Sewing für das Investmentbanking verantwortlich, gab das Ressort aber 2021 an einen anderen Vorstand ab. Die Frage ist nun: Ging es den Bankern ausschließlich um ihre Boni oder wurden sie auch durch Entscheidungen an der Konzernspitze getrieben? Sewings Vorgänger John Cryan wollte das Spanien-Geschäft 2017 eigentlich verkaufen, weswegen die Bank die Tochter damals womöglich "aufhübschen" wollte, wie ein Insider sagte: Derivate zu verkaufen, sei der einfachste Weg gewesen, die notwendigen Ergebnisse zu erzielen. Die Bank fand jedoch keinen Käufer und brach das Vorhaben wieder ab.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zu den möglichen Bedenken der EZB äußern, erklärte aber, sie habe Teile des "Vertriebs von strukturierten Devisenderivaten überprüft und angemessene Maßnahmen ergriffen. Wie wir und unsere Aufsichtsbehörden es von uns erwarten, verbessern wir unsere Prozesse und verstärken unsere Kontrollen." Die EZB lehnte einen Kommentar ab.

Die EU-Wertpapierrichtlinie Mifid, die seit 2018 gilt, zwingt Banken dazu, ihre Kunden je nach deren Fachwissen in unterschiedliche Risikokategorien einzusortieren. Davon hängt ab, welche Produkte an diesen Kunden verkauft werden dürfen. Je unerfahrener ein Kunde ist, desto einfacher und verständlicher müssen die Produkte sein. Bei einigen Firmen hat sich die Deutsche Bank anscheinend nicht an diese Regeln gehalten und für die Entschädigung bereits einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bezahlt. In einer anderen Liga spielt eine Klage der spanischen Hotelgruppe Palladium, die das Institut wegen Verlusten mit Währungsderivaten auf 500 Millionen Euro Schadenersatz verklagt hat. In diesem Fall steht die Deutsche Bank aber auf dem Standpunkt, die Führungsriege von Palladium habe ausreichend Erfahrung mit Derivaten gehabt und die damit verbundenen Risiken somit einschätzen können. Möglicherweise folgen nun aber auch Strafen, weil das Geldhaus gegen EU-Regeln oder Bankaufsichtsrecht verstoßen haben könnte.

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