Missbrauchsskandal:Epstein-Opfer klagen gegen Deutsche Bank

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Missbrauchsskandal: Aktion gegen den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Sommer 2019 vor dem Gerichtsgebäude in New York. Eine Gruppe Frauen klagt nun gegen die Deutsche Bank, weil sie den früheren Hedgefonds-Manager als Kunden aufgenommen hatte.

Aktion gegen den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Sommer 2019 vor dem Gerichtsgebäude in New York. Eine Gruppe Frauen klagt nun gegen die Deutsche Bank, weil sie den früheren Hedgefonds-Manager als Kunden aufgenommen hatte.

(Foto: STEPHANIE KEITH/AFP)

Mehrere Frauen werfen dem Geldhaus in den USA vor, den Sexualstraftäter Epstein indirekt gefördert zu haben. Nun gehen sie in New York vor Gericht.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Hätte die Deutsche Bank einen zweifelhaften Kunden wie den später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein annehmen und dessen Vermögen verwalten dürfen? Die New Yorker Bankenaufsicht hat diese Frage bereits 2020 verneint und dem größten deutschen Geldhaus 150 Millionen Dollar Strafe auferlegt. Zur Begründung führten die Bankenaufseher damals sogar aus, welche Manager involviert waren, als das Geldhaus Epstein als Kunde angenommen hat - allerdings ohne Namen zu nennen. Epstein war von 2013 bis 2018 Kunde, ein "schwerwiegender Fehler", wie Konzernchef Christian Sewing später eingestand.

Nun sieht sich die Deutsche Bank dazu mit neuen Klagen in den USA konfrontiert. Eine Gruppe namentlich nicht genannter Frauen wirft dem Geldhaus sowie der US-Großbank JP Morgan vor, von dem inzwischen verstorbenen Hedgefonds-Manager finanziell profitiert zu haben. Die Banken hätten Epstein durch ihre Dienstleistungen den Anschein von Legitimität gegeben und damit auch den fortgesetzten sexuellen Missbrauch von jungen Frauen und Mädchen begünstigt. Die Frauen haben zwei getrennte Klagen vor einem Bundesbezirksgericht in New York eingereicht mit dem Ziel, sie als Sammelklagen anerkennen zu lassen. Sie verlangen einen nicht näher bezifferten finanziellen Schadenersatz. Die Deutsche Bank teilte mit: "Wir halten diese Behauptung für unbegründet und werden unsere Argumente vor Gericht vortragen." JP Morgan lehnte eine Stellungnahme ab.

Der Hedgefonds-Manager Epstein war 2019 wegen Verdachts auf Sexhandel verhaftet worden, bereits mehr als ein Jahrzehnt, nachdem er sich vor einem Gericht in Florida wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen für schuldig bekannt hatte. Sein Tod im Gefängnis im August 2019 wurde als Selbstmord eingestuft. Seine Vertraute Ghislaine Maxwell wurde in diesem Sommer zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Die Klage der Frauen ist nicht die erste Zivilklage, die auf die Strafe folgte: Erst im September hatte sich die Bank in einem Rechtsstreit mit Anlegern auf die Zahlung von 26 Millionen Dollar geeinigt. Die Kläger, die zwischen 2018 und 2020 mit Aktien der Bank gehandelt hatten, warfen der Bank laxe Anti-Geldwäsche-Kontrollen vor. Fortschritte auf diesem Gebiet habe das Institut viel zu positiv dargestellt, was den Aktienkurs in die Höhe getrieben habe. Die Bank habe behauptet, man beende riskante Kundenbeziehungen konsequent. Stattdessen hätten Führungskräfte Bedenken von Compliance-Mitarbeitern der Abteilung Vermögensverwaltung überstimmt, behaupten die Kläger. Als die Bank wegen der Beziehung zu Epstein und anderen Vergehen bestraft wurde, sei der Kurs gefallen und habe die Anleger geschädigt.

Die Bank will sich nicht dazu äußern, ob der damalige Spartenchef Sewing von Epstein wusste

In der Bankführung war Michele Faissola für die Vermögensverwaltung zuständig, als Epstein im Jahr 2013 Kunde wurde. Ab 2015 war zeitweise der heutige Vorstandschef Sewing für die Sparte verantwortlich, anschließend Fabrizio Campelli, heute Investmentbank-Vorstand. Faissolas Anwalt teilte mit, dass er zu keiner Zeit weder in irgendeine Entscheidung zur Kundenbeziehung mit Epstein involviert gewesen sei, noch gewusst habe, dass Epstein Kunde sei, bevor dies in der Presse erwähnt worden sei. Eine interne Untersuchung konnte dem Vernehmen nach kein Fehlverhalten feststellen. Ob Sewing und Campelli etwas von der Kundenbeziehung wussten, ist öffentlich nicht bekannt. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern. Das Geldhaus hatte die Bankbeziehung 2013 von JP Morgan übernommen, die ebenfalls nicht genau hingeschaut hatte. Epstein war Kunde des Geschäftsbereichs für Superreiche, in dem auch Ex-Präsident Donald Trump Kunde war. Epstein verfügte zeitweise über 560 Millionen Dollar.

Kreditinstitute müssen prüfen, ob das Geld ihrer Kunden aus illegalen Geschäften stammt. Die Deutsche Bank beteuert seit Jahren, die Kontrollen zu stärken, fällt in diesem Bereich aber immer wieder durch Defizite auf. Erst Anfang November drohte die Finanzaufsicht Bafin mit einer Strafe, falls die Bank Maßnahmen bis 2023 nicht umsetzt. Zugleich wollen die Frankfurter nun wieder verstärkt um reiche Kundschaft werben - zum Beispiel in Risikoländern wie Saudi-Arabien.

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