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Deutsche Bank:Ein zweifelhafter Kunde

Die Deutsche Bank war jahrelang die Hausbank des Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Nun droht ihr eine "Strafmaßnahme" durch die US-Bankenaufsicht. Wer aber war für die Geschäftsbeziehung verantwortlich?

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die Deutsche Bank muss sich womöglich noch diesen Monat auf eine erneute "Strafmaßnahme" der US-Bankenaufsicht New York Department of Financial Services gefasst machen. Wie die New York Times berichtet, untersuchen die Aufseher, warum die Bank in den USA von 2013 an sechs Jahre lang die Hausbank von Jeffrey Epstein gewesen war. Der Hedgefonds-Manager war vergangenes Jahr wegen Verdachts auf Sexhandel verhaftet worden, bereits mehr als ein Jahrzehnt nachdem er sich vor einem Gericht in Florida wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen für schuldig bekannt hatte. 2019 hatte ihm die New Yorker Bundesstaatsanwaltschaft vorgeworfen, Dutzende minderjähriger Mädchen missbraucht und zwischen 2002 und 2005 einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. Sein Tod im Gefängnis im August 2019 wurde als Selbstmord eingestuft. Die Bank hatte sich erst von ihm getrennt, nachdem 2018 durch einen Artikel des Miami Herald viele Details zu Epstein herausgekommen waren. Seit Monaten untersucht daher unter anderem die Bankenaufsicht in New York die Rolle der Deutschen Bank.

Kreditinstitute sind verpflichtet, regelmäßig zu prüfen, ob das Geld ihrer Kunden aus illegalen Geschäften stammen. Einen zweifelhaften Kunden wie Epstein hätte die Bank wohl nicht annehmen, schon gar nicht jahrelang betreuen dürfen.

Die Deutsche Bank hatte die Hausbankbeziehung 2013 von der US-Bank JP Morgan übernommen, die offenbar ebenfalls längere Zeit nicht genau hingeschaut hatte. Epstein war Kunde des Geschäftsbereichs für Superreiche der Deutschen Bank, in der bis heute auch US-Präsident Donald Trump Kunde ist. Laut Gerichtsdokumenten verfügte Epstein zeitweise über ein Vermögen von rund 560 Millionen Dollar. Wie viel die Deutschen Bank genau verwaltet hat, ist öffentlich ebenso wenig bekannt wie der Ursprung des Vermögens.

Dem Vernehmen nach untersucht die Bank seit Juli 2019 intern, wie es dazu kommen konnte, dass Epstein dem Haus so lange verbunden blieb. Schon 2015 und 2016 hatten der New York Times zufolge Mitarbeiter, die in den USA mit der Abwehr von Geldwäsche betraut waren, auf fragwürdige Geldbewegungen auf Epsteins Konten aufmerksam gemacht. Die Deutsche Bank habe zudem im gleichen Jahr dem US-Finanzministerium verdächtige Transaktionen auf Epsteins Konten gemeldet. Hochrangige Manager hätten dennoch entschieden, die Geschäftsbeziehungen mit Epstein fortzusetzen, weil sie so lukrativ waren. Wer dies entschieden hat, ist öffentlich nicht bekannt. Eigentlich gibt es in der Bank Gremien, die regelmäßig über Kunden beraten, welche die Reputation gefährden könnten, was in diesem Fall aber offenbar nicht geschah. In der obersten Führung der Bank war Michele Faissola* für die Vermögensverwaltung zuständig, als Epstein im Jahr 2013 Kunde war. Faissola verließ die Bank Ende 2015 und wurde 2019 in Italien wegen umstrittener Derivatedeals verurteilt. Ab 2015 war zeitweise der heutige Vorstandschef Christian Sewing für vermögende Kunden zuständig, anschließend Fabrizio Campelli, der seit Kurzem im Vorstand für die "Transformation" des Konzerns verantwortlich ist. Ob die drei Manager etwas von der Sache wussten, ist öffentlich bislang nicht bekannt. "Unser Ruf ist unser wertvollstes Kapital. Wir bedauern die Entscheidung, mit Epstein verkehrt zu haben", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank.

*Anmerkung der Redaktion: Faissolas Anwalt teilte mit, dass Faissola zu keiner Zeit weder in irgendeine Entscheidung zur Kundenbeziehung mit Herrn Epstein involviert war, noch habe er gewusst, dass Herr Epstein ein Kunde sei, bevor dies in der Presse erwähnt worden sei. Als bei der Bank in New York Ende 2015 und Anfang 2016 erstmals Hinweise von Mitarbeitern auf solche Vorgänge diskutiert worden seien, habe Faissola die Verantwortung für die Vermögensverwaltung bereits abgegeben.

© SZ vom 04.06.2020

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