Greenwashing-Vorwürfe:Deutsche Bank hat noch mehr Ärger mit der US-Justiz

Lesezeit: 3 min

Greenwashing-Vorwürfe: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

(Foto: Mario Andreya/dpa)

Die Deutsche Bank hat die US-Behörden zu spät über Greenwashing-Vorwürfe informiert. Nun wollen die Aufseher noch genauer hinschauen. Möglich ist sogar, dass die Bank strafrechtlich verfolgt wird.

Von Meike Schreiber , Frankfurt

Welche Folgen die Greenwashing-Vorwürfe haben werden, die eine frühere Mitarbeiterin der Deutsche-Bank-Tochter DWS vergangenes Jahre erhoben hat, ist immer noch offen. Muss der Konzern eine Strafe zahlen, weil die Fondstochter womöglich falsche Angaben im Geschäftsbericht gemacht hat? Das wird sich zeigen. Klar ist nun aber: Die US-Behörden sind unzufrieden damit, wie die Deutsche Bank sie dazu informiert hat. So geht es aus dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach hat das US-Justizministerium (Department of Justice, DOJ) Ende Februar festgestellt, dass die Bank die Vorwürfe nicht nur zu spät gemeldet habe. Sie habe damit auch gegen Berichtspflichten im Rahmen eines Vergleichs verstoßen, den die Bank Anfang 2021 in anderer Sache abgeschlossen hatte. Nun werde ein Sonderaufpasser, also eine externe Kanzlei, ihr "Mandat ausweiten", um in Frankfurt weiter nach dem Rechten zu sehen.

Was nach einer Lappalie klingt, ist höchst unangenehm für Christian Sewing. Der Konzernchef betont immer wieder, wie sehr sich das Verhältnis zu den Aufsehern in seiner Amtszeit seit 2018 verbessert habe. Im Januar 2021 hatte Sewing mit einem Vergleich in einer anderen Sache weitere juristische Altlasten in den USA ausgeräumt, dabei aber versprochen, mögliche Compliance-Probleme oder ernste Beschwerden von leitenden Angestellten sofort bei den Aufsehern zu melden, unabhängig davon, ob die Bank diese für berechtigt hält oder nicht. Das klingt anmaßend, ist aber so üblich. Die Deutsche Bank macht in den USA Geschäft, und muss sich daher auch an die dortigen Regeln halten.

Die Vorwürfe, die die frühere Nachhaltigkeitschefin der Fondsgesellschaft DWS vor einem Jahr erhoben hatte, waren durchaus schwerwiegend: In einer E-Mail an DWS-Aufsichtsratschef Karl von Rohr und Deutsche-Bank-Nachhaltigkeitschef Jörg Eigendorf hatte sie gewarnt, die Fondstochter des Konzerns könnte falsche Angaben zur Nachhaltigkeit gemacht haben. Und offenbar weil sie diese Dinge angesprochen habe, sei sie wenige Tage zuvor gefeuert worden. Das US-Ministerium aber hatte von den Vorgängen dem Vernehmen nach erst aus dem Wall Street Journal erfahren, nachdem sich die Managerin im Sommer an die Zeitung gewandt hatte. Daraufhin hatten die US-Behörden und auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin eine Untersuchung dazu gestartet.

Wie dem Geschäftsbericht am Freitag weiter zu entnehmen war, hat das DOJ wegen des Verstoßes nun die bestehende Überwachung durch einen unabhängigen Prüfer ausgeweitet. Es ginge darum, die Umsetzung interner Kontrollen zu "zertifizieren". Zudem habe sich das DOJ "alle Rechte vorbehalten" weitere Maßnahmen in Bezug auf den Vergleich einzuleiten. Möglich sei nun auch, "dass die Deutsche Bank strafrechtlich verfolgt oder anderen Maßnahmen unterzogen werden", wie es im Geschäftsbericht der DWS hieß. Hat es das Geldhaus versäumt, weitere Beschwerden an das DOJ zu melden? Dazu wollte sich die Bank nicht äußern.

Insgesamt 520 Mitarbeiter verdienen mehr als eine Million Euro

Nicht nur über Rechtsstreitigkeiten gibt der Geschäftsbericht Einblicke, auch über die Vergütung der Banker enthält er Details: Wie erwartet erhält die Belegschaft für 2021 höhere Boni, nachdem die Bank wieder einen Gewinn machte. Insgesamt zahlt das Geldhaus rund 2,1 Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr "variable Vergütung" als ein Jahr zuvor. Der Großteil davon entfiel auf die rund 7000 Mitarbeiter der Investmentbank.

Auch die Einkommensmillionäre sind weiter zahlreich vertreten in der Bank: Insgesamt erhalten immer noch 520 Mitarbeiter Bezüge von mehr als einer Million Euro (im Vorjahr waren es 614), mindestens vier davon verdienen mehr als Sewing. Die höchste Dotierung liegt zwischen zehn Millionen und elf Millionen Euro. Im europäischen Konkurrenz-Vergleich haben die Frankfurter mit Abstand die meisten Einkommensmillionäre in ihren Reihen. Auch der Vorstand bekommt mehr: Die Manager und Managerinnen erhalten zusammen rund 66,5 Millionen Euro. Sewings Vergütung stieg binnen Jahresfrist von rund 7,4 Millionen Euro auf gut 8,8 Millionen Euro. Ein Teil dieser Summen wird erst später und abhängig vom Geschäftserfolg ausgezahlt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB