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Deutsche Bank:Die Pflichten verletzt

Views Of Frankfurt's Financial District As German Economy Boosted By Domestic Demand

Bürotürme der Deutschen Bank in Frankfurt: Das Management hat nicht immer ein glückliches Händchen, wenn es darum geht, neues Spitzenpersonal einzustellen. Das könnte ein Grund für die vielen Skandale des Konzerns sein.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

Der Geldkonzern baut nicht nur Stellen ab, sondern heuert auch Manager von außen an. Zwei der Neuzugänge sorgen intern allerdings für Kritik.

Wer verstehen will, warum die Deutsche Bank seit Jahren von Skandal zu Skandal taumelt, muss sich vor allem das Spitzenpersonal anschauen: Viele Manager, die schon lange für die Bank arbeiten, sind früher oder später in die Nähe betrügerischer Systeme geraten, sei es Umsatzsteuerbetrug, die Manipulation von Zinssätzen, Geldwäsche und vieles mehr. Dabei konnte ihnen die Justiz oft nichts vorwerfen, und den Karrieren hat es - bis auf einige Ausnahmen - auch nicht geschadet. Man könne schließlich nicht einfach die "ganze Firma von heute auf morgen austauschen". Das ist stets die Erklärung aus den Frankfurter Doppeltürmen.

Aber auch bei Neueinstellungen hat das größte deutsche Geldhaus offenbar kein gutes Händchen. Für Ärger in der Belegschaft sorgt derzeit die Einstellung von Ulrich M., neuer Leiter Informationstechnik für Privatkunden in Deutschland - ein ebenso wichtiger wie gut bezahlter Posten.

Der neue IT-Manager ist in die Berateraffäre der Bundeswehr verwickelt

Der Werdegang von Ulrich M. jedoch wirft die Frage auf, ob die Deutsche Bank neues Spitzenpersonal ausreichend überprüft, bevor man dort Verträge unterschreibt. Andernfalls nämlich hätte der Bank auffallen müssen, dass Ulrich M. bei seinem früheren Arbeitgeber eine eher unrühmliche Rolle gespielt hat: Mitte 2018 nämlich war der Manager als Geschäftsführer der Bundeswehr-IT-Tochter BWI geschasst worden, nachdem seine Verwicklung in die Berateraffäre der Bundeswehr herausgekommen war. Wie aus Prüfberichten hervorgeht, welche das Bundesverteidigungsministerium bei Wirtschaftsprüfern und Anwälten von Deloitte in Auftrag gegeben hat, vergab M. zwei Aufträge an die McKinsey-Tochter Orphoz mit einem Volumen von insgesamt 5,5 Millionen Euro ohne die vorgeschriebene öffentliche Ausschreibung. Strafrechtlich relevante Verstöße fanden die externen Prüfer demnach zwar nicht, weil der BWI durch die illegal vergebenen Verträge kein Vermögensschaden entstanden sei. Doch schon der Verstoß gegen die Vergabegesetze rechtfertigte aus Sicht von Deloitte die Abberufung M.s vom Geschäftsführerposten, heißt es in dem Gutachten, das der SZ vorliegt, und über welches das Handelsblatt zuerst berichtet hatte. Die Vergabe der Aufträge sei als "Pflichtverletzung der Geschäftsführung" zu qualifizieren. Der Manager musste das BWI daher ohne Abfindung verlassen. Ein Sprecher des BWI wollte zu den Gründen, Herrn M. abzuberufen und zu kündigen zwar keine Auskünfte geben, bestätigte aber, dass er nach Beschluss des Aufsichtsrats "freigestellt, ordentlich gekündigt und die Kündigung des Arbeitsvertrages fristgerecht vollzogen worden ist".

In der Belegschaft sorgt der Vorgang auch deshalb für Verärgerung, weil Ulrich M. dort kein Unbekannter ist. Er arbeitete schon einmal sieben Jahre bis 2005 als IT-Chef der Privatkundensparte, musste Insidern zufolge aber gehen, weil man nicht zufrieden war mit seiner Leistung.

Dennoch hatte er nun wohl einflussreiche Fürsprecher. Dem Vernehmen nach soll Zvezdana Seeger, im Vorstand der Privatkundenbank für IT zuständig, den Manager empfohlen haben. Vizekonzernchef Karl von Rohr, bis Juli Personalvorstand, soll die Einstellung durchgewunken haben, ohne auf eine ausreichende Prüfung zu bestehen. Ein Sprecher wies die Vorwürfe zurück. Die Einstellung sei gründlich geprüft worden. "Aufgrund der vorliegenden, öffentlich zugänglichen Informationen gab es keinen Grund, Herrn M. nicht einzustellen", sagte der Sprecher. Der Manager selbst beantwortete eine Anfrage zu den Vorwürfen nicht.

Großer Sprung: Der neue Personalchef war zuvor nur für 40 Mitarbeiter verantwortlich

Aber nicht nur der neue IT-Chef sorgt in der Belegschaft für Stirnrunzeln, auch die Bestellung von Michael Ilgner wirft Fragen auf. Der Manager ist derzeit Chef der Deutschen Sporthilfe und soll im März 2020 das Amt des Konzern-Personalchefs übernehmen und später sogar in den Konzernvorstand einziehen. Vorstandschef Christian Sewing ist Mitglied des Aufsichtsrats der Sporthilfe und kennt Ilgner seit Langem. An dessen Integrität zweifelt zwar niemand, wohl aber an seiner Qualifikation. Als Chef der Deutschen Sporthilfe, einer Stiftung, die Leistungssportler fördert, ist Ilgner für gerade einmal 40 Mitarbeiter zuständig; künftig aber für 90 000 Angestellte. Zudem muss er einen umfangreichen Stellenabbau rund um den Globus verhandeln und dabei stets die Bankregulierung im Blick behalten. Volker Brühl, Professor am Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt, sieht die Ernennung daher kritisch: Frischer Wind von außen könne zwar neue Kräfte freisetzen. Allerdings seien die Anforderungen gerade an einen Bankvorstand aus Sicht der Finanzaufsicht sehr hoch. "Trotz aller Unterstützung durch Stäbe wird auch in der Personalfunktion ein fundiertes Wissen im Banking, Arbeitsrecht, Regulierung und Compliance erwartet. Er sei daher "gespannt, wie die Aufsicht mit dieser Personalie umgeht". Tatsächlich kann Ilgner erst in den Vorstand wechseln, wenn die Aufsicht seine Bestellung genehmigt, wofür man sich in der Bank ein bis zwei Jahre Zeit geben will. Ob die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) dann zustimmen werden, ist aber ungewiss.

Ohnehin hat die Bankführung neuerdings Erfahrung damit, sich dort eine Abfuhr zu holen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte unlängst auf Wunsch der Großaktionäre aus Katar den Schweizer Banker Jürg Zeltner für den Aufsichtsrat vorgeschlagen, allerdings ohne sich die informelle Zustimmung der Aufsicht zu besorgen. Weil Zeltner zugleich Chef einer anderen Bank ist, konstatierte man dort einen Interessenkonflikt. Nun wird Zeltner das Gremium verlassen müssen.