Verdächtige Überweisungen Deutsche Bank gerät im Danske-Skandal unter Druck

Die Danske Bank hat von 2007 bis 2015 bis zu 200 Milliarden Euro aus dubiosen russischen Quellen gewaschen und in die USA überwiesen.

(Foto: Linus Hook/Bloomberg)
  • Die Danske Bank hat von 2007 bis 2015 bis zu 200 Milliarden Euro aus dubiosen russischen Quellen gewaschen und in die USA überwiesen.
  • Die Deutsche Bank agierte dabei als sogenannte Korrespondenzbank: Sie leitete die Gelder weiter, prüfte die Transaktionen aber nicht.
  • Wie die Aufseher die Rolle der Bank einschätzen und ob eine Strafe fällig wird, ist derzeit noch offen.
Von Meike Schreiber

Das Interesse der Aufseher an der Rolle der Deutschen Bank im "Danske-Fall" steigt. Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) prüft der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, wie das Geldhaus mit verdächtigen Transaktionen von Dänemarks größtem Kreditinstitut umgegangen ist. Die Untersuchung der Fed befinde sich in einem frühen Stadium, hieß es. Es ginge darum, ob die US-Tochter der Deutschen Bank die Gelder angemessen überwacht habe, die sie von einer estnischen Filiale der Danske Bank an US-Kunden weitergeleitet hat.

Es geht um den größten Geldwäsche-Fall der Geschichte: Die Danske Bank hat von 2007 bis 2015 bis zu 200 Milliarden Euro aus dubiosen russischen Quellen gewaschen und in die USA überwiesen, den Großteil ausgerechnet mit Hilfe der US-Niederlassung der Deutschen Bank. Das Institut agierte als sogenannte Korrespondenzbank, leitete die Gelder also weiter, ohne die Transaktionen selbst zu prüfen. Die Frankfurter beendeten die Beziehung zur Danske zwar 2015, als ihnen die Sache verdächtig vorkam. Womöglich aber hätte man viel früher handeln müssen. Nach SZ-Informationen gab es zuvor mehrere interne Warnungen.

Die Aktionäre sind bereits hoch nervös

Die Deutsche Bank betont, weiterhin nicht selbst im Visier der Aufseher zu sein. "Es gibt keine Untersuchungen, sondern mehrere Informationsanfragen von Regulierungsbehörden und Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt", sagte ein Sprecher. Es sei wenig überraschend, dass die Ermittlungsbehörden und Banken selbst ein Interesse hätten am Fall Danske und den Lehren, die sich daraus ziehen ließen. Die Deutsche Bank kooperiere mit den Behörden und informiert diese weiterhin. "Bisher haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unsererseits", hatte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Mitte Januar betont und weitere interne Untersuchungen angekündigt.

Nach wie vor ist völlig offen, ob die Deutsche Bank auch in diesem Fall mit einer Strafe rechnen muss. Vor zwei Jahren musste das Geldhaus etwa 600 Millionen Euro für unsaubere Aktiengeschäfte ihrer Moskauer Niederlassung an die US-Aufseher zahlen. Die Aktionäre sind jedoch bereits hoch nervös, weil sich das kriselnde Geldhaus schlichtweg keine weitere hohe Strafe leisten kann.

Die Deutsche Bank betont stets, als Korrespondenzbank habe das Institut keine konkrete Kenntnis der Danske-Kunden gehabt und auch nicht haben müssen. Man sei nicht für die Überprüfung der Danske-Kunden zuständig gewesen. Dieser Sachverhalt könnte das Institut aber nicht zwangsläufig entlasten. In gewissem Umfang sollten Banken inzwischen auch die Kunden ihrer Kunden kennen. Außerdem müssen sie die Transaktionen überwachen sowie Partner prüfen.

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