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Bankenfusion:Commerzbank-Manager würden eine Übernahme durch Unicredit als "feindlich" einstufen

Insidern zufolge hat Unicredit bereits vergangenes Jahr bei der Bundesregierung vorgefühlt, ob es möglich sei, die Commerzbank zu übernehmen. Das Signal aus Berlin war Bankkreisen zufolge negativ.

Auch das Commerzbank-Management würde ein solches Angebot nach SZ-Informationen als "feindlich" einstufen. In anderen Branchen mögen Übernahmen gegen den Willen des Managements immer wieder vorkommen, im Bankgeschäft gibt es so etwas selten bis nie. Kreditinstitute verfügen weder über Maschinen noch über tolle Patente, entscheidend sind vielmehr die Mitarbeiter und ihre Beziehungen zu den Kunden sowie das Wissen über die eigene Bilanz und deren möglicherweise versteckte Risiken. "Es gebe für uns genug Möglichkeiten, so einen Deal platzen zu lassen", sagt ein Commerzbank-Insider.

Dort hat man ohnehin Routine im Umgang mit Übernahmegerüchten. Seit der Finanzkrise gab es unzählige Planspiele, welche Bank in Europa mit welcher fusionieren könnte. Kaum etwas wurde Wirklichkeit. Viele Manager in der europäischen Finanzbranche klagen daher über "Kleinstaaterei" auf dem Kontinent, während die großen Wall-Street-Institute längst der europäischen Konkurrenz enteilt seien.

Eigentlich will man keine Megabanken mehr

Was aber erschwert Fusionen von großen Banken in Europa? Das liegt allen voran an unterschiedlichen Auffassungen der nationalen und europäischen Finanzaufseher. Denn eigentlich will man seit der Krise keine Banken mehr haben, die zu groß sind, um ohne Hilfe der Steuerzahler gerettet zu werden. Daher müssen Megabanken besonders viel Eigenkapitalpuffer gegen eine Schieflage zurücklegen, weswegen sich grenzüberschreitende Großfusionen oft nicht lohnen. Hinzu kommen die nach wie vor beachtlichen Unterschiede in der europäischen Bankenregulierung.

Viele nationalen Bankenaufseher, allen voran die deutschen, fürchten, dass Bilanzrisiken verschoben werden, für die bei einer Bankenabwicklung die nationalen Steuerzahler haften. Banken in Deutschland dürften Spareinlagen daher nur begrenzt zur Refinanzierung von Krediten in Italien oder Spanien verwenden. Einige Bankenaufseher der EZB hingegen würden paneuropäische Bankenchampions gerne als Nachweis dafür sehen, dass das die Bankenunion auf gutem Weg ist. Die EU leiste sich zu viele Banken, mahnt die EZB stets an. Und Unicredit? Deren Chef Jean-Pierre Mustier sagte am Donnerstag, er wolle sich auf Wachstum ohne Übernahmen konzentrieren. Zugleich ließ er durchblicken, Europa brauche große Banken. Italienisch zu lernen kann also nie schaden.