Deutsche Bank und Commerzbank Monopolkommission befürchtet Systemrisiko bei geplanter Fusion

Finanzplatz Frankfurt: Der Chef der Monopolkommission sieht in der geplanten Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank vor allem ein höheres Systemrisiko.

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  • Achim Wambach, Chef der Monopolkommission, rechnet nicht mit Wettbewerbsproblemen bei der Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank.
  • Er befürchtet im Falle eines Zusammenschlusses jedoch einen Anstieg des Systemrisikos.
  • Verdi-Chef Frank Bsirske wähnt währenddessen etwa 20 000 Jobs in Gefahr - und Commerzbank-Chef Zielke wendet sich in einem Schreiben an seine Mitarbeiter

Der Chef der Monopolkommission sieht bei einer möglichen Fusion der Deutschen Bank und der Commerzbank kaum Wettbewerbsprobleme, aber ein höheres Systemrisiko. "Einiges deutet darauf hin, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss, gegebenenfalls unter Auflagen, freigeben würden", sagte Achim Wambach der Rheinischen Post. "Denn die Geschäftsfelder der beiden Banken überschneiden sich entweder nur gering oder sind wenigstens spürbarem Wettbewerb ausgesetzt - auch noch nach einer möglichen Fusion."

Wambach fürchtet eher, dass es wegen der Größe der neuen Bank zu Stabilitätsproblemen kommen könnte. "Durch den Zusammenschluss entsteht möglicherweise eine neue Bedrohung für die Finanzwelt, nämlich durch einen Anstieg des Systemrisikos." Die Finanzkrise habe gezeigt, dass große Banken nicht so einfach abgewickelt werden könnten und gegebenenfalls vom Staat gerettet werden müssten. Die Monopolkommission fordert schon länger eine Finanzfusionskontrolle, die diese Frage prüft.

Deutsche Bank und Commerzbank haben nach monatelangen Spekulationen offiziell mit Sondierungsgesprächen über eine Fusion begonnen. Das teilten die zwei größten deutschen Privatbanken am Sonntag nach getrennten Sitzungen ihrer Vorstände mit. Beide Geldhäuser betonten gleichzeitig, eine Fusion sei keineswegs ausgemachte Sache. Befürworter des Zusammenschlusses glauben, dass die Banken nur gemeinsam stark genug gegenüber der weltweiten Konkurrenz sein können. Kritiker befürchten dagegen einen drastischen Jobabbau.

Verdi-Chef fürchtet um 20 000 Jobs

Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi, kritisiert die Fusionspläne der Banken scharf. Er argumentiert, die Geldhäuser würden sich nicht sinnvoll ergänzen. Vor allem im Bereich des Privat- und Firmenkundengeschäftes würde es zu erheblichen Überschneidungen von Stärken statt zu gegenseitigen Ergänzungen kommen.

Zudem würde die Fusion zu einem drastischen Stellenabbau führen. "Da würden 20 000 Arbeitsplätze und mehr im Feuer stehen", sagte er. Für die Gewerkschaften ist eine langfristige Sicherheit der Jobs entscheidendes Kriterium bei der Fusion. Bsirske rechnet jedoch auch in den Banken selbst mit einer "möglicherweise hochkontroversen Diskussion".

Zielke dankt Mitarbeitern - und will "selbstbewusst" in Gespräche gehen

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat sich noch am Sonntagabend in einem Brief an die Mitarbeiter gewandt. Das Schreiben liegt der SZ vor. Zielke dankt darin allen Commerzbank-Mitarbeitern für ihre Arbeit und verspricht, "das Wohl der Commerzbank und all ihrer Stakeholder im Blick" zu behalten. Er erklärt außerdem, dass er sich in den vergangenen Wochen nicht "zu den anhaltenden Fusionsgerüchten" habe äußern können und bekräftigt, dass der Ausgang der Gespräche völlig offen sei.

Im Hinblick auf die anstehenden Gespräche mit der Deutschen Bank gibt er sich zuversichtlich. "Wir haben es geschafft, im schwierigen deutschen Markt, aber auch international neue Kunden zu gewinnen. Hier haben wir Akzeptanz und Momentum aufgebaut. Das dürfen wir nicht aus der Hand geben", schreibt Zielke - und kündigt an, "selbstbewusst in diese Gespräche gehen" zu wollen.

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