Bankenfusion Ein Riese ist besser als zwei Zwerge

Die Zentralen von Deutsche Bank (l.) und Commerzbank in Frankfurt/M.

(Foto: dpa)

Die Kritik an einer möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist verständlich - aber verfrüht. Gemeinsam könnten sie Europa voranbringen.

Kommentar von Alexander Hagelüken

Sie legen jetzt also los. Die Commerzbank und die Deutsche Bank reden offiziell über eine Fusion. Das ist eine Nachricht mit Ausrufezeichen: Hier könnte aus den beiden größten deutschen Geldhäusern eine noch viel riesigere Bank entstehen. Obwohl noch gar nicht klar ist, ob bei den Gesprächen etwas Sinnvolles herauskommt, haben sich die Gegner schon entschieden. Große Aktionäre, Gewerkschafter und andere halten eine Bankenehe für völlig falsch. Doch dieses Urteil ist verfrüht.

Die Weltlage hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wenn die Fusion einem guten Plan folgt, kann sie aus übergeordneten Gründen durchaus richtig sein.

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Das fängt schon damit an, dass Banken heute anders sein müssen. In den Nullerjahren spielten sich die Geldmanager als Herren der Welt auf. Das endete mit der Finanzkrise 2008, dem schlimmsten wirtschaftlichen Absturz seit fast einem Jahrhundert. Seitdem geht es für die Finanzinstitute darum, sich neu zu orientieren und zu verschlanken.

Die großen deutschen Banken tun dies kleckerweise. Logisch wäre, entschiedener vorzugehen: durch eine Fusion. In der Bundesrepublik herrscht ein Überangebot an Finanzprodukten. Da ist weniger mehr. Da versuchen die beiden Großbanken lieber, gemeinsam bessere Leistungen anzubieten, und sparen durch gemeinsame Verwaltung und Informationstechnik Geld.

Es hat sich seit der Finanzkrise noch etwas anderes verändert: Es wird nationaler gedacht. Das Motto der Globalisierung, Grenzen spielten keine Rolle? Völlig passé. Man mag das gut oder schlecht finden, ignorieren lässt sich die Nationalisierung keinesfalls. US-Präsident Donald Trump setzt Amerika zuerst, Chinas Führung will die heimischen Konzerne an die Weltspitze subventionieren. Da liegt der Gedanke nahe, dass Deutschland von einem Geldhaus profitiert, das international stark ist - um deutsche und andere europäische Unternehmen bei der globalen Expansion zu begleiten, ohne dass diese auf außereuropäische Banken angewiesen sind.

Man muss sich zurzeit sorgen, dass Deutsche und Commerzbank einzeln international verzwergen. Zusammen könnten sie das vermeiden. Ein Übergewicht der beiden in der Bundesrepublik muss deshalb keiner befürchten. Öffentliche Institute wie Sparkassen und Volksbanken, die einen einzigartigen Bestandsschutz genießen, sorgen verlässlich für Konkurrenz.

Der Nationalisierungstrend erklärt auch, warum es nicht automatisch verkehrt ist, dass sich Finanzminister Olaf Scholz Gedanken über eine Fusion macht. Zumal er mit Jörg Kukies, dem Ex-Deutschland-Chef von Goldman Sachs, einen Fachmann zum Staatssekretär hat.

In einem liegen die Kritiker völlig richtig: Eine rein politisch motivierte Bankenehe wird Murks. Es braucht einen betriebswirtschaftlichen Plan. Den müssten die Chefs von Deutscher und Commerzbank nun erarbeiten. Es stimmt auch, dass Fusionen häufig scheitern. Es gibt aber positive Gegenbeispiele. Im Finanzsektor etwa die Bank of America genauso wie die französische BNP Paribas, beides inzwischen internationale Champions. So etwas könnte Deutschland gebrauchen. Aber dafür muss eben der Plan stimmen. Deutsche und Commerzbank stehen am Anfang ihrer Gespräche. Sie sollten die Gelegenheit haben, in Ruhe auszuloten, ob das mit dem Bankchampion funktionieren kann.

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