bedeckt München 26°

Deutsche-Bank-Chef Jain:Bei jedem Skandal stellt sich die Frage, was Jain wusste

Wenn es aber keine fachlichen Gründe dafür gibt zu fragen, warum Jain Deutsch sprechen sollte, liegt der Verdacht nahe, dass es sich hier um eine Scheindebatte handelt. Zuweilen ist sie von einem deutschtümelnden Unterton durchzogen. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich eine berechtigte Frage: Sollte ein Investmentbanker Chef der Deutschen Bank werden? Die englische Sprache ist dabei nur das stellvertretende Attribut für den Zocker, die deutsche Sprache jenes für den ehrbaren Kaufmann, den sich viele nach den Erfahrungen der Finanzkrise an der Spitze der Bank wünschen.

Wenn man den Blick allein auf die Zahlen wirft, könnte man zum Schluss kommen, dass die Wahl des Investmentbankers Jain (statt des von Josef Ackermann bevorzugten ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber) zum Vorteil der Bank war. Das Geldhaus ist für eine Blitz-Kapitalerhöhung an den Märkten gefeiert worden, die Marktkapitalisierung ist seit dem Machtwechsel um elf Milliarden Euro gestiegen. Doch andererseits muss man festhalten, dass dem enorme Rechtsrisiken gegenüberstehen, ohne die eine Blitz-Kapitalerhöhung zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht notwendig gewesen wäre. Dass diese Rechtsrisiken zum Großteil aus dem Investmentbanking stammen, belastet Jain schwer. Bei jedem neuen Skandal stellt sich die Frage, was er wusste und warum er es nicht verhindert hatte. Die Unsicherheit darüber, was noch alles auftauchen könnte, belastet die gesamte Bank, setzt es doch ein Fragezeichen darüber, ob Jain bleiben kann.

Die Bank versucht, mit ihrem "Kulturwandel" gegenzusteuern. Doch so sehr die Sprache ein Element jeder Kultur ist, die Bank sollte nicht der Versuchung erliegen, die Deutschkenntnisse Jains als Beweis dafür hochzustilisieren, dass Jain heute ein anderer ist als damals. Denn diese sagen über das, was die meisten Menschen wissen wollen, wenig aus.

Sie wollen wissen: Ist er im Herzen ein vorsichtiger deutscher Kaufmann - oder ist er eher ein Londoner Zocker? Darauf müssen die Deutsche Bank und Jain eine klare Antwort geben. Eine Scheinantwort reicht nicht aus.