Deutsche Bank Bodenständigkeit soll den Erfolg bringen

Christian Sewing ist neuer Chef der Deutschen Bank. Sein Vorgänger John Cryan musste den Posten nach nur drei Jahren räumen.

(Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)
  • Christian Sewing soll die Deutsche Bank wieder in die Gewinnzone führen.
  • Gelernt hat er einst in Bielefeld - und kennt die Bank seit vielen Jahren.
Von Andrea Rexer

Durchhaltevermögen hat Christian Sewing jedenfalls. Wegen starker Zahnschmerzen Treffen mit Geschäftspartnern abzusagen, das kommt für ihn nicht infrage. Zwischen den eng getakteten Terminen beim Weltwirtschaftsforum in Davos verzog er vor Schmerzen das Gesicht - für Smalltalk war er trotzdem zu haben, wie immer. Denn Sewing ist ein nahbarer Typ, einer, der zwischendurch auch gern mal lacht, anders als so viele andere auf seiner Flughöhe.

Damals, im Januar, war er noch stellvertretender Vorstandschef der Deutschen Bank. Am Sonntagabend hat der Aufsichtsrat ihn zum obersten Chef bestellt. John Cryan, sein Vorgänger, musste den Posten nach nur drei Jahren räumen.

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Christian Sewing hat den Ehrgeiz, länger durchzuhalten. Schmerzen wird ihm das Amt aber sicherlich häufig bereiten. Denn die Deutsche Bank ist nicht in einem Zustand, in dem der Führungsjob großen Spaß machen kann. Im vergangenen Jahr schrieb das Institut zum dritten Mal nacheinander rote Zahlen; Sewings Aufgabe wird es sein, das Haus in die Gewinnzone zurückzuführen.

Solide genügt der Deutschen Bank nicht

So ist es auch zu verstehen, dass der neue Chef seinen Mitarbeitern am Montag einen Brief schrieb, in dem er klarmachte, der Jahresanfang sei zwar "solide" gewesen - aber solide genüge nicht als Anspruch bei der Deutschen Bank. Ein Blick auf den Aktienkurs zeigt, wie groß die Herausforderungen sind. Vor Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 kostete die Aktie noch knapp 90 Euro, zuletzt kratzte sie an der 11-Euro-Marke. Dabei träumte die Deutsche Bank vor einigen Jahren noch davon, zu den Top-drei-Instituten weltweit zu gehören.

Was Christian Sewing helfen wird, der Aufgabe gerecht zu werden, ist seine tief reichende Kenntnis des Hauses. Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet er für die Deutsche Bank. Er war für das Institut in Tokio und Toronto, hat einige Jahre lang im Risikocontrolling in London gearbeitet und Einblick ins Investmentbanking bekommen - wenn auch als Kontrolleur und nicht aus dem Blickwinkel jener, die Geschäfte einfädeln. Später stieg er zum Rechtsvorstand auf, zuletzt war er im Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft inklusive der Postbank zuständig. Damit saß er als Jüngster in der Vorstandsrunde - und war dennoch der Dienstälteste.

Untypisch für eine solche Laufbahn ist ihr Beginn. Christian Sewing hat direkt nach der Schule eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank absolviert. Sein Vater, Chef einer mittelständischen Druckerei in Westfalen, wollte es so. Das Studium schob der heute 47-Jährige nach, berufsbegleitend. Viel Arbeit hat ihn also schon in jungen Jahren nicht abgeschreckt.

Sewing strahlt Bodenständigkeit aus

Innerhalb der Bank werten es viele als bezeichnendes Signal, dass die Wahl auf jemanden gefallen ist, der das Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Sewing ist nicht in der glitzernden Welt der Wallstreet-Zocker groß geworden, sondern am Bankschalter von Bielefeld. In den vergangenen Jahren standen stets Chefs aus dem Investmentbanking an der Spitze der Deutschen Bank, der Westfale Sewing hingegen strahlt Bodenständigkeit aus. Aber offenbar nicht so viel, dass die internationalen Investoren der Bank verschreckt würden. Bei der Veröffentlichung seiner Personalie zog der Aktienkurs der Bank deutlich an.

Ob Christian Sewing nun seinen Traumjob bekommen hat, ist schwer zu sagen. Eigentlich wollte er Sportjournalist werden, dann aber fiel er bei der Aufnahmeprüfung der Deutschen Journalistenschule durch und legte den Traum ad acta. Den Sport allerdings nicht. Christian Sewing spielt bis heute Tennis, wenn es ihm die Zeit erlaubt. Es heißt, seine alten Freunde vom Tennisklub TC Bünde würden ihn immer noch jedes Frühjahr anrufen, ob er nicht doch die Mannschaft verstärken wolle. Wie die Antwort nach diesem Sonntag ausfällt, dürfte allen klar sein.

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