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Deutsche Bank:Auf zu neuen Chancen

Als Garth Ritchie, früher Vize-Chef der Deutschen Bank, vor einem Jahr das Geldhaus verlassen musste, erhielt er eine großzügige Abfindung. Bedingung waren zwei Jahre Wettbewerbsverbot. Nun aber hat der Banker bereits nach einem Jahr wieder einen Job.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Es gehört zu den vielen erstaunlichen Dingen bei der Deutschen Bank, an die man sich fast schon gewöhnt hat: Wann immer dort Topmanager vor Vertragsende gehen müssen - und das passiert häufig - erhalten sie noch eine großzügige Abfindung, ganz gleich, ob sie einen nur mittelmäßigen Job gemacht oder sich gar teure Verfehlungen geleistet haben. Nur in wenigen Fällen erhielten Vorstände keine Abfindung oder mussten einen kleinen Teil ihrer Boni zurückzahlen. Als im vergangenen Juli auch Vize-Vorstandschef Garth Ritchie und seine Vorstandskollegin Sylvie Matherat eine großzügige Abfindung erhielten, war der Aufschrei in der Gesellschaft dennoch groß, denn Ritchie erhielt enorme 11,2 Millionen Euro. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte dessen Vertrag erst im Jahr zuvor um fünf Jahre bis 2023 verlängert. Wegen des erneuten Umbaus war der Investmentbankingchef aber plötzlich nicht mehr zu gebrauchen.

Die Höhe seiner Abfindung wurde dabei auch mit einem zweijährigen Wettbewerbsverbot begründet. So etwas ist durchaus üblich bei Investmentbankern, damit sie keine Kunden und Kollegen abwerben. Es dient aber auch dazu, höhere Abfindungen zu rechtfertigen. In der Realität kommt es dann ohnehin oft anders: Im Fall von Ritchie bezog sich das Wettbewerbsverbot nämlich offenbar nur auf große Banken. Denn obwohl noch nicht einmal ein Jahr vergangen ist, hat der Banker jetzt bei der Londoner Investmentfirma Centricus angeheuert. Dort soll er das Kapitalmarkt- und Beratungsgeschäft ausbauen, hieß es in einer Mitteilung. Er könne aber auch Spezialisten für Börsengänge von der Deutschen Bank abwerben, schrieb der Branchen-Newsletter Efinancial-Careers.

Als Konkurrenten anerkennt die Deutsche Bank die Investmentfirma, die von Ex-Deutsch-Banker Michele Faissola gegründet wurde, jedenfalls nicht. "Garth Ritchie darf nicht zu direkten Wettbewerbern wechseln, und das gilt für die Dauer von 24 Monaten ab seinem Ausscheiden", sagte eine Sprecherin der Bank. Centricus sei kein Wettbewerber im Sinne des vereinbarten Verbots. Insoweit seien die Regelungen der Aufhebungsvereinbarung davon nicht berührt. Ritchie selbst wollte sich nicht dazu äußern. Wie es in Finanzkreisen hieß, wird sein Verdienst angeblich mit der teilweise noch auszuzahlenden Abfindung verrechnet werden. Überprüfen kann das freilich niemand.

© SZ vom 03.07.2020

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