Deutsche Bank:"Meine Damen und Herren, wir wissen, dass Sie enttäuscht sind"

Jain hält seine Rede anders als im Vorjahr auf Englisch. "Weil jedes Wort zählt, wähle ich heute meine Muttersprache", sagt er. Für die Aktionäre wird die Rede simultan übersetzt, sie sehen nur, wie sich Jains Lippen bewegen. "Meine Damen und Herren, wir wissen, dass Sie enttäuscht sind. Jürgen und mir und den Vorstandskollegen geht es genauso", versucht Jain es mit einer kleinen Charmeoffensive, erntet aber nur ein paar Lacher im Publikum.

Er gibt zu, wichtige Ziele verfehlt zu haben. "Wir haben uns sehr viele geschäftliche Optionen offengelassen", sagt er. Das sei nicht durchzuhalten gewesen, weil die regulatorischen Anforderungen viele Geschäfte teurer machten. Als er vor drei Jahren antrat, wollte er anderen Großbanken Geschäft vor allem im Investmentbanking abnehmen. Während Institute wie die Schweizer UBS sich aus vielen Bereichen verabschiedeten, machte die Deutsche Bank munter weiter. Das drückte auf Gewinne und Aktienkurs. Es ist das Eingeständnis des Scheiterns.

Den Privatkundenvorstand Neske verabschiedet Jain mit warmen Worten: "Rainer, ich darf dir für deine wertvollen Beiträge und viele Jahre der Partnerschaft danken. Wir wünschen dir von Herzen alles Gute für die Zukunft." Neske steht kurz auf, die Aktionäre spenden ihm Applaus. Mit ihm geht das größte Gegengewicht zu den Investmentbankern im Vorstand.

Vertrauen verloren

Die Großaktionäre sind nicht glücklich mit den Personalentscheidungen. "Warum haben Sie erst so spät gehandelt", fragt Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Die Bank habe seit der Finanzkrise bereits "acht verlorene Jahre" hinter sich, und nun würden schon wieder "fünf unprofitable Übergangsjahre mit Restrukturierungskosten in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt". Die Fondsgesellschaft, die 0,9 Prozent der Aktien hält, verweigert dem Vorstand die Entlastung.

Auch dem Aktionärsberater Hermes reichen die Veränderungen nicht. Das Führungsgremium müsse "weit über das gestrige Stühlerücken hinaus" umgebaut werden, sagt Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt. Er entlastet den Vorstand ebenfalls nicht: "Wir haben das Vertrauen verloren."

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisiert, die neue Strategie sei bei Weitem nicht der große Wurf, sondern "von allem ein wenig, aber vor allem keine Vision". Man traue den Ankündigungen des Managements nicht mehr über den Weg.

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