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Hohe Mieten in Großstädten Deutsche Bahn will Wohnraum für Mitarbeiter schaffen

Wo Wohnen teuer ist: In Städten wie München will die Bahn ihren Mitarbeitern preiswerte Wohnungen bieten.

(Foto: Stephan Rumpf)
Von Thomas Öchsner , München

"Du findest den Job spannend? Du wohnst mehr als 75 Minuten von München entfernt? Der Münchner Wohnungsmarkt hat Dich bislang abgeschreckt? Wir stellen Dir für nur 200 Euro pro Monat ein modernes und möbliertes Apartment in München für die Dauer der Qualifizierung. Und danach? Unterstützen wir Dich natürlich auch weiter beim Thema Unterkunft." So wirbt die Deutsche Bahn (DB) derzeit um neue Mitarbeiter, die sich zum Lokführer für die Münchner S-Bahn umschulen lassen wollen.

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100 000 neue Beschäftigte will der staatseigene Konzern in den kommenden Jahren einstellen. Doch vor allem in den Städten haben die Eisenbahner Probleme, eine passende Wohnung zu finden. "Bezahlbare Mieten sind für unsere Mitarbeiter ein großes Thema geworden", sagt Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. Für die DB als Arbeitgeber sei es "absolut wichtig, mehr gegen Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu tun". Das Unternehmen, einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, will Beschäftigten deshalb stärker als bisher bei der Suche nach bezahlbaren Wohnraum helfen.

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Obwohl die Bahn nach Tarif zahlt, verdienen die etwa 200 000 Mitarbeiter in Deutschland oft nicht genug, um die gestiegenen Mieten bezahlen zu können, vor allem in den Großstädten. Seiler nennt als Beispiel einen Lokführer: "Der verdient zum Einstieg rund 3200 Euro brutto im Monat inklusive Nacht- und Schichtzulagen. Daran lässt sich schon erkennen, dass es für viele unserer Mitarbeiter schwierig ist, sich eine Wohnung in Städten wie München, Stuttgart oder Hamburg leisten zu können", sagt der Personalvorstand. Die Bahn hat daher eine "Wohnraumoffensive" entwickelt, die am Freitag in München vorgestellt wird. Dabei geht es etwa darum, eigene Grundstücke besser zu nutzen. Immerhin ist das Unternehmen nach eigener Einschätzung auch einer der größeren Immobilienbesitzer in Deutschland.

München soll Modellregion werden

Derzeit verfügt der Konzern allerdings über keine für Wohnungen baureife Grundstücke. Die Bahn führt aber Gespräche mit verschiedenen Kommunen, um zu eruieren, ob sich Flächen im DB-Eigentum zu Bauland umwandeln lassen. Dazu gehören auch Park & Ride-Grundstücke. "Wir prüfen, ob wir nicht Park & Ride-Flächen erweitern und bebauen oder die Parkplätze überbauen können. Außerdem wollen wir prüfen, ob auch andere Flächen im Bahnbesitz geeignet sind, neuen Wohnraum zu schaffen", sagt Seiler. Allein in München und Umland wurden dafür 23 Standorte mit einem Wohnpotenzial für 650 Haushalte identifiziert. Pendler, die mit dem Auto kommen und an S-Bahn-Stationen morgens oft Parkplätze suchen, müssten sich deshalb keine Sorgen machen. "Wir wollen keinem Pendler einen Parkplatz wegnehmen", versichert Seiler.

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München solle bei der Wohnraumoffensive der DB "der Leuchtturm mit Modellcharakter" sein, sagt der Manager. Hier sei das Unternehmen "schon einen Schritt weiter als in anderen großen Städten." Schon jetzt verfügt die Bahn über mehr als 900 möblierte Zimmer und Apartments, etwa in Hamburg, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart oder München. Dort können Eisenbahner, die für eine bestimmte Funktion geschult werden, während der Dauer ihrer Ausbildung für 200 Euro im Monat wohnen. 70 Apartments sollen in Bayerns Landeshauptstadt nun dazukommen.

Der Konzern verfügt ebenfalls über einen bevorzugten Zugang zu mehreren Zehntausend Wohnungen von Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften. Diese sogenannten Belegungsrechte will das Unternehmen künftig stärker nutzen. Mitarbeiter erhalten so nicht nur bessere Chancen auf eine Wohnung. Sie können diese dann auch anmieten, ohne eine Kaution zahlen zu müssen. In München unterzeichnet die Bahn am Freitag mit der Grundstücksgesellschaft GVG einen Vertrag über Belegungsrechte für 74 Ein- bis Vierzimmerwohnungen im Stadtteil Bogenhausen. Die Monatsmiete wird mit zwölf Euro am unteren Ende des örtlichen Mietspiegels liegen. Die ersten Eisenbahner sollen bereits im Dezember einziehen.

Außerdem will der Konzern verstärkt Auszubildende unterstützen, etwa durch Kooperationen mit Azubi-Wohnheimen. Der Mietkostenzuschuss für Lehrlinge und Dual-Studierende wurde bereits zum 1. März erhöht. Die DB bezuschusst für diese Nachwuchskräfte Mieten mit bis zu 350 Euro im Monat, wenn die tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen bisherigem Wohnort und Ausbildungsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als 150 Minuten dauern würde. Auch andere Mitarbeiter können einen Mietzuschuss von bis zu 600 Euro monatlich erhalten, wenn sie wegen eines Jobs bei der Bahn eine Zweitwohnung benötigen.

Seiler weiß, dass die Wohnraumoffensive nur "ein Einstieg" ist: "Uns ist klar, dass wir damit nicht morgen und übermorgen fertig sind und alle Wohnprobleme lösen können."

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