SchienenverkehrBahn-Manager vor dem Rauswurf

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Die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, die Infrago, steht stark in der Kritik.
Die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, die Infrago, steht stark in der Kritik.
Bernd Thissen/picture alliance/dpa

Wegen massiver Probleme bei der Streckensanierung der Deutschen Bahn gerät ein Vorstand der Infrastrukturtochter Infrago zunehmend unter Druck.

Von Klaus Ott

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Er sollte entscheidend dazu beitragen, mit der Sanierung großer Strecken eine bessere Bahn zu bauen: Gerd-Dietrich Bolte, Spitzenmanager in der Deutschen Bahn (DB). So hatte das der Staatskonzern erst Ende vergangenen Jahres angekündigt. Der Diplom-Kaufmann Bolte war damals in den Vorstand der DB Infrago berufen worden. Das ist die Schienennetzgesellschaft der DB, die sich um die Strecken, Signale, Stationen und anderes mehr kümmert.

Jetzt steht Bolte vor dem Rauswurf. Dem Vernehmen nach geht es um einen Aufhebungsvertrag zum Jahresende. Also um eine, wie in solchen Fällen üblich, formal einvernehmliche Trennung; und eben nicht um eine Entlassung. Dem Manager werden intern Pannen bei den Generalsanierungen angelastet, mit denen der Staatskonzern sein marodes Streckennetz in Ordnung bringen will. Die Bahn sperrt große, bedeutende Strecken wie zuletzt Berlin – Hamburg oder derzeit Regensburg – Passau monatelang, um Gleise, Weichen, Oberleitungen, Signale und mehr gleichzeitig zu erneuern.

Gerd-Dietrich Bolte bei einer Baustellenbegehung Ende 2025.
Gerd-Dietrich Bolte bei einer Baustellenbegehung Ende 2025.
Hannes P Albert/picture alliance/dpa

Das Konzept war noch vor Jahren vom alten Bahn-Vorstand erfunden worden, um mit einem für viele Milliarden Euro sanierten Netz wieder für pünktlichere Züge zu sorgen. Doch schon seit dem ersten großen Projekt im zweiten Halbjahr 2024 zwischen Frankfurt und Mannheim klappte längst nicht alles. Erst war diese Art der Sanierung viel teurer als ursprünglich verkündet, und der Zugverkehr lief anschließend doch nicht ohne Probleme. Dann funktionierten Umleiterstrecken nicht wie geplant, was den Güterverkehr durcheinanderbrachte. Und, und, und.

Mitte des Jahres folgte eine der größten Pannen. Nach fünfmonatiger Sanierung und Sperrung sollte die Strecke Nürnberg – Regensburg am 10. Juli wieder frei sein. Drei Tage vorher verkündete Bolte, dass man drei Wochen länger brauche, und bat „in aller Form um Entschuldigung“. Die kurzfristige Verschiebung löste nicht nur bei Fahrgästen, Zugbetreibern und in der Politik Frust aus. „Da hat’s intern richtig gescheppert“, heißt es aus der Deutschen Bahn.

Als der Staatskonzern Mitte August auch noch Probleme bei der Sanierung und beim Ausbau der Linien zwischen Berlin und Hannover eingestehen musste, war in der Konzernspitze offenbar das Maß voll. „Das zerstört das gesamte Vertrauen“, wenn man seine Zusagen nicht einhalte, wird in der DB über Bolte geschimpft. Die Deutsche Bahn und deren Tochter Infrago dementierten auf Anfrage nicht, dass Bolte gehen solle, sondern erklärten lediglich: „Dazu äußern wir uns nicht.“

Bolte war erst Ende 2025 in den Vorstand der Infrago berufen worden, nach fast drei Jahrzehnten an verschiedenen Stellen im Staatskonzern. Er hatte sich unter anderem um den Wiederaufbau der bei der Flutkatastrophe 2021 zerstörten Ahrtalbahn in Rheinland-Pfalz gekümmert. Im Dezember 2025 hatte DB-Vorstandschefin Evelyn Palla vor Ort im Ahrtal den Wiederaufbau gelobt. Zusammen mit den dortigen Städten und Gemeinden und anderen Partnern habe man „Großes“ geleistet. „So können wir das Schienennetz gemeinsam weiter voranbringen.“

In der Eisenbahnbranche gilt die sich abzeichnende Ablösung als Ablenkung

Im Ahrtal war Bolte damals, an der Seite von Palla, mit dabei. Wenn er jetzt tatsächlich aufhören müsste, dann ginge das nicht ohne die DB-Chefin. Sie leitet den Aufsichtsrat der Infrago. Palla hat bereits angekündigt, dass man die Sanierung der großen Strecken „anders planen und umsetzen“ werde. „Wir müssen künftig Fristen und Kosten einhalten.“ Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) macht Druck. Solle dieses Konzept weiterverfolgt werden, müsse es beim Zeitplan und den Ergebnissen besser funktionieren.

In der Eisenbahnbranche gilt Boltes sich abzeichnende Ablösung als Ablenkung von den eigentlichen Problemen. „Das sieht nach falscher Wagenreihung aus“, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbandes der privaten Güterbahnen. Die haben wegen monatelang gesperrter Hauptstrecken und der zahlreichen anderen Baustellen im Schienennetz oftmals große Probleme, die von ihnen transportierte Ware rechtzeitig oder überhaupt ans Ziel zu bringen. Im Verkehrsministerium liegt eine lange Beschwerdeliste des Verbands.

Westenberger fordert, erst ein „besseres Konzept“ für die Sanierung des Schienennetzes auszuarbeiten, und dann personelle Fragen zu klären. Die Güterbahnen und deren Kunden warteten immer noch auf ein Gespräch mit dem Verkehrsminister, „wie es insgesamt mit der Netzsanierung weitergehen soll“. Die Deutsche Bahn und deren Tochter Infrago hatten bereits vor zwei Jahren ein umfassendes Konzept für die Sanierung des gesamten Netzes präsentiert. Baustellen sollten so gebündelt werden, dass die Betreiber der Fern- und Regionalzüge und deren Fahrgäste sowie die Güterbahnen und deren Kunden sich darauf einstellen können und die Fahrpläne funktionieren. Das klappt aber oftmals nicht.

Ende 2025 hatte der Infrago-Aufsichtsrat eine weitgehende „Neuaufstellung“ des Vorstands der Infrago beschlossen. Mehrere Posten waren neu besetzt worden, eben auch mit Bolte. Die Probleme sind geblieben.

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