Schienenverkehr:Deutsche Bahn und ÖBB wollen Nachtzug-Angebot ausbauen

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Die österreichischen Bundesbahnen sind in Deutschland der Marktführer bei Nachtzugverbindungen. (Foto: Arnulf Hettrich/Imago)

Mehr Strecken und komfortablere Züge: Das kündigen die beiden Bahnunternehmen an. Doch internationale Fahrkarten zu buchen, ist für Reisende immer noch zu umständlich.

Von Oliver Klasen

Mit dem Zug die Alpen zu überqueren, das schafft die Deutsche Bahn nicht ohne die Hilfe der Österreicher. Wer kurz nach 20 Uhr am Münchner Hauptbahnhof in den ÖBB-Nightjet 295 einsteigt, der ist noch vor Mitternacht über den Brenner und kann gegen halb zehn am nächsten Morgen in einer Bar nahe des Bahnhofs Roma Termini einen Caffè bestellen und in ein Cornetto alla Crema beißen. Die 13-Stunden-Fahrt ist ein Klassiker unter Nachtzugfans. Drei Monate war die Verbindung jetzt teilweise unterbrochen - und das ausgerechnet in der Sommerzeit. Von kommendem Sonntag an fahren die Züge wieder durchgehend.

Wollte man die Deutsche Bahn kritisieren, könnte man witzeln, sie habe den seit einigen Jahren anhaltenden Trend zum Nachtzug, nun ja, verschlafen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn es war eine bewusste Entscheidung, sich aus dem Nachtzug-Geschäft zurückzuziehen, 2016 war das. Das marode Wagenmaterial und die gigantischen Verluste, die die kaum ausgelasteten Nachtzüge einfuhren, veranlassten das Unternehmen dazu. Fachleute hielten den Schritt schon damals für einen großen Fehler - und tatsächlich, nach kurzer Zeit korrigierte sich die Bahn, wenn auch zögerlich.

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Sie setzte von da an auf die Kooperation mit der österreichischen ÖBB. Die unterhält Nachtzug-Strecken zwischen 25 europäischen Großstädten, viele davon auch in Deutschland. Ergänzend dazu baute die Deutsche Bahn ihr Angebot in der Nacht aus, allerdings nur mit normalen ICE und IC, die keine Liege- oder Schlafwagen haben.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres sollen jetzt weitere Verbesserungen folgen. Das verkündeten DB und ÖBB am Dienstag bei einem gemeinsamen Termin in Berlin. Neu sind Nightjet-Verbindungen von Berlin und Wien nach Paris und Brüssel. Anfangs sollen sie dreimal die Woche, von Herbst 2024 an dann täglich gefahren werden.

Auf zwei bereits bestehenden Strecken - Hamburg-Wien und Hamburg-Innsbruck - fahren künftig neue Nightjets. Sie sind bis zu 230 Stundenkilometer schnell und bieten mehr Komfort als die bisherigen Nachtzüge, zum Beispiel Einzelkabinen im Liegewagen. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Züge dann auch auf weiteren Strecken eingesetzt werden.

Ausbauen wollen DB und ÖBB das Angebot am Tag: So soll es eine neue ICE-Verbindung Hamburg-Berlin-Nürnberg-Wien geben. Die Züge zwischen Frankfurt, Stuttgart und Innsbruck fahren künftig täglich und nicht nur am Wochenende. Zudem rollt auf der Strecke München-Salzburg tagsüber künftig jede Stunde und zwischen München und Innsbruck alle zwei Stunden ein Fernverkehrszug. DB und ÖBB versprechen darüber hinaus den Einsatz neuer Züge.

2023 über Grenzen hinweg Bahn zu fahren, ist kompliziert

"Der Trend zur Schiene ist ungebrochen. Immer mehr Menschen in Deutschland und Österreich setzen für die Reise ins Nachbarland auf den klimafreundlichen Zug", sagt DB-Marketing- und Vertriebsvorstand Stefanie Berk. Zwischen beiden Ländern sei die Zahl der Fahrgäste in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen.

Trotz immer neuer Angebote beklagen Mobilitätsforscher, dass das Potenzial des internationalen Schienenverkehrs bei Weitem nicht ausgeschöpft wird. Ein Grund dafür: In Europa über Grenzen hinweg mit der Bahn zu fahren, ist auch 2023 noch kompliziert. Es existiert keine von den europäischen Eisenbahnunternehmen gemeinsam betriebene Plattform, über die sämtliche Verbindungen buchbar sind. Abhilfe schaffen Websites von privaten Bloggern, die versuchen, Ordnung in das Wirrwarr der vielen Nachtzug-Angebote zu bringen. Die Buchung läuft aber meist über die Systeme der nationalen Zuggesellschaften. Reisende müssen sich umständlich durch die Menüs klicken. Oft ist es, wie bei der Deutschen Bahn, nicht einmal möglich, auf den ersten Blick zu sehen, was das grenzüberschreitende Ticket kostet.

Alle Wege führen nach Rom, sagt man. Wegen der Schwierigkeiten bei der Bahn ist der am häufigsten genutzte Weg von Deutschland aus aber nach wie vor: das Flugzeug.

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