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Deutsche Bahn:Grube bleibt, Pofalla wird gestärkt

Der Vertrag von Bahnchef Rüdiger Grube wird um drei Jahre verlängert. Ronald Pofalla bekommt im Vorstand auch das Ressort Infrastruktur. Er soll sich als Grube-Nachfolger profilieren.

Der alte Bahnchef soll auch der neue sein: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn will den Vertrag von Rüdiger Grube im Januar verlängern. Das teilte der Staatskonzern am Mittwoch Abend nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Berlin mit. Aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautete, Grube werde drei weitere Jahre Chef der Bahn bleiben. Sein Vertrag endet im Dezember 2017. Der neue Kontrakt soll bis Ende 2020 laufen. Auf einer Sondersitzung am 30. Januar wollen die Kontrolleure den Bahnchef auch formell im Amt bestätigen. Grube steht seit 2009 an der Spitze des Konzerns. Da das Unternehmen wiederholt seine Ziele verfehlt hat und zuletzt sogar eine Kapitalerhöhung brauchte, war die Personalie umstritten. In den vergangenen Monaten war aber mehrmals aus der Regierung verlautet, dass man mit einer Vertragsverlängerung Ruhe in das Unternehmen bringen wolle. Im Vorstand soll sich jedoch um Grube herum einiges ändern. Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla beförderte der Aufsichtsrat am Mittwoch zum Infrastruktur-Vorstand - und baut ihn damit auch zum potenziellen Grube-Nachfolger auf. Pofalla, bisher Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung, soll das innerhalb der Bahn wichtige Ressort mit 70 000 Beschäftigten ab Januar 2017 leiten. Er soll sich zudem um die Abteilungen Wirtschaft, Politik, Konzernsicherheit, DB Sicherheit und internationale Geschäftsbeziehungen kümmern. Der bisherige Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer verlässt das Unternehmen.

Weil sich der Konzern in den kommenden Jahren mit der Digitalisierung stark verändern wird, will der Aufsichtsrat zusätzlich zu den bisherigen Ressorts einen Vorstandsbereich "Technik und Qualität" einführen. Wer den Posten übernehmen soll, ist noch offen. Nach der Tarifeinigung mit der größten Gewerkschaft soll auch Personalvorstand Ulrich Weber, dessen Vertrag im Frühjahr ausgelaufen wäre, bis Ende 2018 bleiben.

Die Entscheidung, den früheren Unionspolitiker Pofalla im Vorstand aufzuwerten, stößt in der Politik auf Kritik. "Ich bin nicht überzeugt, dass das eine sinnvolle Entscheidung ist", sagt Fraktionsvize Sören Bartol. "Mir fehlt die Fantasie, woher Herr Pofalla die für das operative Geschäft notwendigen Erfahrungen hat. Ich hoffe, dass der Ausbau des Schienennetzes weiterhin gut gemanagt wird und nicht ins Stocken gerät.