In Plau am See lässt es sich schön Urlaub machen. Das westliche Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte hat aber mehr zu bieten als den siebtgrößten See Deutschlands, eine schöne Natur mit Campingplätzen und einen Kletterpark. Vom Ortsteil Karow aus fährt ein besonderer Zug. Es ist keiner dieser Nostalgiebahnen, die von Dampfloks gezogen werden. Hier fährt ein umgebauter ICE die etwa zwölf Kilometer zwischen Karow und Malchow am Ostufer des Sees hin und her.
Vollgestopft ist der mit Technik, die ein Ziel hat: das Internet in Zügen besser zu machen. Aber was heißt hier besser. Es soll sogar so gut werden, wie es die meisten zu Hause gar nicht bekommen können. Mit dem „advanced TrainLab“ will die Bahn in einer neuen Testrunde erkunden, wie man einen fahrenden Zug gleich Gigabit-weise mit Daten versorgen kann. Die Bahn hat sich dazu mit den Mobilfunkanbietern und anderen Unternehmen zusammengetan für das Modellprojekt Gint XT in Mecklenburg.
Dazu braucht es die derzeit modernste verfügbare Funktechnik 5G, und die muss dazu auch auf relativ kurzwelligen Frequenzen funken, nur so kommt man auf die hohen Durchsatzraten. Das bringt allerdings ein Problem mit sich. Denn die kurzen Wellen reichen viel weniger weit als die längeren. Da keine Funklöcher entstehen sollen, braucht es also Sende- und Empfangseinrichtungen in kurzen Abständen.
Damit wäre das Vorhaben eigentlich fast gestorben; jeden Kilometer nahe an den Gleisen einen Mast aufzustellen, wäre schon aus finanziellen Gründen nicht realistisch. Doch die Bahn muss auch ihr eigenes Kommunikationsnetz neu aufbauen. Bis 2035 soll das Future Rail Mobile Communication System (FRMCS) EU-weit das bisherige GSM-R ablösen, das R steht dabei für Rail, Schiene. FRMCS basiert auf der 5G-Technik und benötigt einen Mast pro Kilometer. Diese können die Mobilanbieter dann mitnutzen.
Züge mit schnellem Internetzugang zu versorgen, ist eine besondere Herausforderung
Da es wenig Sinn ergäbe, wenn jeder Anbieter eigene Technik installieren müsste, wird in dem Projekt mit Förderung des Ministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung auch erprobt, dass Telekom, Vodafone, Telefónica/O2 und 1&1 die höheren Frequenzen zusammen nutzen. Außerdem soll mit dem Testzug ermittelt werden, ob es funktioniert, Übertragungsprobleme an den Rändern mit einem zusätzlichen langwelligen Signal zu verhindern.
Generell ist es ja eine Herausforderung, sich schnell bewegende Objekte mit Internetzugang zu versorgen. Kaum hat es sich bei einem Mast eingebucht, muss es schon an den nächsten übergeben werden – und das natürlich, ohne dass etwa die Videokonferenz stockt. Wenn alles klappt, soll die Technik auf der Strecke von Berlin nach Hamburg eingesetzt werden. Deren Generalsanierung hat vor wenigen Tagen begonnen.
Ob wirklich alles bis 2035 klappt, ist die Frage. Denn die Sache ist natürlich sehr teuer. Malik Rao von der Telefónica hat bereits ein „tragfähiges Finanzierungskonzept“ angemahnt. Und bevor man sich über Internetverbindungen im Zug den Kopf zerbricht, wäre es natürlich auch hilfreich, wenn die Bahn denn auch wieder pünktlicher führe. Binge-Watching im verspäteten Zug ist schließlich auch keine Lösung.
