Tarifkonflikt:Deutsche Bahn bietet GDL neue "Entgeltkomponente" an

Lesezeit: 2 min

Lokführer-Streik im Personenverkehr · Ulm

Im Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sind die Fronten noch immer verhärtet.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Nach drei Streiks der GDL versucht die Bahn, die Lokführergewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Dafür geht sie auf den Tarifpartner mit einem neuen Angebot zu. Ob der GDL das reicht, ist unklar.

Im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn ihr Angebot nach eigenen Angaben nachgebessert, um sich schnell zu einigen. Es enthalte jetzt eine zusätzliche "Entgeltkomponente", teilte der Konzern am Samstag mit. "Mit dem neuen Angebot bewegt sich das Unternehmen einen weiteren, großen Schritt auf die GDL zu." Personalvorstand Martin Seiler forderte die GDL erneut zu Verhandlungen auf. "Es liegen tragfähige Lösungen auf dem Tisch." Die Gewerkschaft hatte angekündigt, von Montag an den nächsten Streik vorzubereiten, sollte die Bahn bis dahin kein "verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen.

Wie hoch die sogenannte Entgeltkomponente sein soll und wie sie gezahlt werden soll, gab die Bahn nicht bekannt. Die Gewerkschaft fordert 3,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 28 Monaten sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn will die Tariferhöhung über einen längeren Zeitraum strecken und bietet eine Laufzeit von 36 Monaten an. Zudem bietet sie je nach Lohngruppe eine Corona-Prämie zwischen 400 und 600 Euro an.

Bahn kommt beim Streit über Altersvorsorge der GDL entgegen

Die Entgeltkomponente soll darüber hinaus gezahlt werden. Zudem kommt die Bahn der GDL nach eigener Darstellung beim Streit über die Altersvorsorge entgegen. Sie sagte demnach zu, bis Ende 2020 erworbene Anwartschaften aus dem früheren Altersvorsorge-System uneingeschränkt zu erhalten.

Ein Knackpunkt in den Verhandlungen ist die Frage, für wen der neue Vertrag gelten soll. Die GDL will nicht nur Lokführer und Zugbegleiter vertreten, sondern auch Rahmentarifverträge für Beschäftigte in den Werkstätten und in der Infrastruktur sowie für Auszubildende schließen. Die Bahn erklärte dazu nun: "Der Konzern erklärt sich außerdem bereit, den Anwendungsbereich der GDL-Tarifregelungen in den heutigen GDL-Mehrheitsbetrieben zu überprüfen." Ob das der GDL für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch reicht, ist unklar.

Hintergrund des Streits ist das Tarifeinheitsgesetz

Am Samstagvormittag war die Gewerkschaft zunächst nicht zu erreichen. GDL-Chef Claus Weselsky hatte argumentiert, seine Gewerkschaft habe Tausende neue Mitglieder auch in anderen Bahn-Berufen wie in der Verwaltung. Diese hätten ein Recht auf einen Tarifvertrag, welchen ihnen die Bahn verweigere. Hintergrund des Streits ist das Tarifeinheitsgesetz. Dieses sieht vor, dass in einem Betrieb mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. Aus Sicht des Konzerns ist das in einem Großteil der rund 300 Bahn-Unternehmen die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Die GDL zweifelt das an.

Die GDL hat in der laufenden Tarifrunde bisher dreimal gestreikt, zuletzt im Personenverkehr fünf Tage lang. Viele Pendler und Reisende waren von Zugausfällen und Verspätungen betroffen. Die Bahn setzte einen Notfahrplan in Kraft. Auch der Güterverkehr war von den Ausständen betroffen. Für den dritten Ausstand hatte mehr als jeder zweite Deutsche (53 Prozent) kein Verständnis, wie eine Yougov-Umfrage für die Deutsche Presse-Agentur in dieser Woche ergab. 36 Prozent der Befragten zeigten jedoch Verständnis für die Aktion.

Zur SZ-Startseite
Lokführer-Streik im Personenverkehr

SZ PlusMeinungTarifkonflikt
:Warum wird bei der Bahn so erbittert gestreikt?

Schon wieder soll die Bahn fünf Tage lang streiken und es liegt nahe, den GDL-Chef Claus Weselsky zum Schuldigen zu erklären. Doch diesen Konflikt haben viele befeuert, sie sitzen in Berlin - und in Karlsruhe.

Lesen Sie mehr zum Thema