Es ist nicht lange gut gegangen: Nach nur drei Monaten trennt sich die Deutsche Bahn schon wieder von ihrer neuen Finanzvorständin Karin Dohm. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Aufsichtsratskreisen. Demnach wollte Aufsichtsratschef Werner Gatzer am Donnerstagabend in einer digitalen Sitzung über die Personalie informieren, sagte das Treffen aber kurzfristig wieder ab. Nach SZ-Informationen steht die Entscheidung jedoch fest, der Aufsichtsrat soll die Abberufung auf seiner Sitzung in drei Wochen beschließen. Bis dahin sollen noch die Formalien geklärt werden. Die Bahn will sich auf Anfrage nicht zu der Angelegenheit äußern.
Vorausgegangen waren drei Monate, in denen Dohm nach SZ-Informationen nach und nach immer mehr Menschen gegen sich aufgebracht hat. Zuerst die eigenen Leute, die sie unmittelbar nach Antritt einer Leistungskontrolle unterziehen wollte. „Ein totales Misstrauensvotum“, sagt einer, der nah dran ist. Dann einzelne Politiker, die auch nach drei Monaten nicht das Gefühl haben, sie sei auch nur ansatzweise eingearbeitet. Und schließlich die mächtigen Arbeitnehmervertreter.
Der Betriebsrat erwartete eine Entschuldigung
Die hat Dohm mächtig erzürnt, als sie im Dezember eine sogenannte Gesellschafterweisung unterschrieb, die die Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services zur Folge hat – allerdings ohne zuvor mit den zuständigen Interessenvertretern zu sprechen. Die Konzernbetriebsratsvorsitzende Heike Moll kritisierte das in einer Information an die Mitarbeiter, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, mit scharfen Worten. „Die Vorgehensweise, für die sich Karin Dohm bei der DB Services entschieden hat, zeugt weder von sozialer Kompetenz noch von Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten“, heißt es dort. „Von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, die normalerweise die Betriebspartnerschaft im DB-Konzern prägt, kann hier schon gar nicht die Rede sein.“
Dohm habe mit ihrem Vorgehen eine „rote Linie“ überschritten, der Neustart sei zum Fehlstart geworden. „Würden Mitarbeitende derart gegen dienstliche Absprachen verstoßen, müssten sie um ihre berufliche Zukunft bangen“, schreibt Moll weiter. Der Konzernbetriebsrat erachte es als selbstverständlich, „dass sich Karin Dohm persönlich bei den Kolleginnen und Kollegen der DB Services entschuldigt“.
Doch auch danach änderte sich wenig, im Gegenteil. Dohm, die zuvor Finanzchefin bei der Baumarktkette Hornbach war und dann Anfang 2025 zum Autozulieferer Conti wechselte, wo sie aber ebenfalls nur zwei Monate blieb, soll intern „viel Porzellan zerschlagen“ haben, wie es heißt. Sie habe sich ständig wegen Kleinigkeiten mit anderen Führungskräften angelegt, trotz vielfacher Angebote keinerlei Hilfe angenommen und sich stattdessen immer mehr distanziert. Auch im Vorstandsgremium sei die Stimmung deswegen schlecht gewesen. So schlecht, dass die neue Bahn-Chefin Evelyn Palla – durchaus bekannt für Konsequenz in Personalfragen – nun die Reißleine zieht.

