Deutsche Bahn EVG droht mit Streik - wegen zwei Euro

  • Die deutsche Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) droht der Deutschen Bahn mit einem Streik.
  • Am Dienstag will die EVG über den Arbeitskampf entscheiden - über einen Arbeitskampf bei der Bahn.
  • Bahn und EVG verhandeln derzeit noch nicht über einen endgültigen Tarifvertrag, sondern über eine Einmalzahlung für die Beschäftigten des Konzerns.
Von Detlef Esslinger

Bei der Deutschen Bahn könnte es erneut zu einem Arbeitskampf kommen - diesmal ausgerufen von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Deren Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba erklärte am Montag, ihre Organisation werde am heutigen Dienstag in Fulda "auch über die Notwendigkeit von Warnstreiks diskutieren". In der Diktion von Gewerkschaftern kommt dies einer verklausulierten Ankündigung gleich. Nach Darstellung aus EVG-Kreisen geht der Streit mit der Bahn um zwei Euro sowie ums Prinzip.

Bahn und EVG verhandeln derzeit noch nicht über einen endgültigen Tarifvertrag, sondern über eine Einmalzahlung für die Beschäftigten des Konzerns. Da die bisherigen Tarifverträge ausgelaufen sind, sollen die Beschäftigten mit dem Abschlagsbetrag zufriedengestellt werden, bis die Bahn irgendwann ihre parallelen Tarifverhandlungen sowohl mit der EVG als auch mit der GDL, der Lokführer-Gewerkschaft, beendet hat.

Worüber Bahn und EVG verhandeln

Bahn und EVG hatten zuletzt am Freitag verhandelt. Die Bahn bietet der Gewerkschaft an, den meisten Bahn-Beschäftigten jeweils eine Einmalzahlung von 595 Euro zu überweisen: jeweils 85 Euro für die Monate August bis Januar sowie eine Erhöhung des Weihnachtsgelds um ebenfalls 85 Euro. Der bisherige Tarifvertrag war Ende Juli ausgelaufen.

Für die Beschäftigten der Tochterfirma "DB Dienstleistungen" galt bisher ein eigener Tarifvertrag mit niedrigeren Gehältern als im restlichen Konzern, der Ende November auslief. Bei DB Dienstleistungen arbeitet unter anderem das Reinigungs- und das Sicherheitspersonal. Ihnen bietet die Bahn für den Dezember 100 Euro und für diesen Januar 85 Euro.

Gleichstellung "bis auf den letzten Cent"

Es ist das Ziel der EVG in diesen Verhandlungen, die Beschäftigten von DB Dienstleistungen in den Tarifvertrag für den gesamten Konzern zurückzuholen. Sie sollen wieder exakt so viel verdienen wie jeweils vergleichbare Kollegen in den anderen DB-Firmen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber versprach am Montag nicht nur, sich auf dieses Ziel der EVG einzulassen, sondern das Ziel der Gewerkschaft sogar zu übertreffen: Sein Angebot enthalte "für die Dienstleister mit ihren durchschnittlich niedrigeren Einkommen überproportional höhere Zahlungen", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Wie die Verhandlungen gelaufen sind

Allerdings sind es exakt diese niedrigeren Einkommen, die die EVG nicht mehr als Verhandlungsgrundlage akzeptiert. Zudem stellen ihre Unterhändler die Verhandlungen vom Freitag anders dar als die der Bahn. Die Bahn habe 102 Euro Einmalzahlung für jeden Monat von August bis Dezember angeboten, außerdem 85 Euro für den Januar. Den Beschäftigten von DB Dienstleistungen seien demzufolge für den Dezember zwei Euro weniger angeboten worden als den übrigen Beschäftigten der Bahn.

Innerhalb der Gewerkschaft wird zugestanden, dass es "albern" aussehe, wegen zwei Euro einen Streik auszurufen. Aber es sei nun mal das Ziel, die Dienstleister "bis auf den letzten Cent" mit ihren Kollegen im übrigen Konzern gleichzustellen. Da könne man einen Abschlag bei der Einmalzahlung nicht hinnehmen.

In Fulda treffen der Bundesvorstand und die Tarifkommission der EVG zusammen. Mit einer Entscheidung wird gegen Mittag gerechnet.