Eine gewisse Sorgfalt kann man den vier Männern nicht absprechen: Um zu erfahren, wie die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn im Detail funktionieren, stahlen sie von zwei kleineren Bahnhöfen zunächst einmal zwei komplette Geräte. Auf diese Weise konnten sie sich in Ruhe einen Überblick über die Sicherheitstechnik verschaffen und eine Methode entwickeln, wie sich solche Automaten innerhalb weniger Minuten aufbrechen ließen. Ein Aufwand, der sich für sie bezahlt machte: 80 Automaten knackten die vier in den darauffolgenden Monaten bundesweit an Bahnhöfen - bis sie von der Bundespolizei geschnappt wurden.
Solche Fälle kennt die Bahn zur Genüge: Zu ihrem Bedauern sind Fahrkartenautomaten bei Kriminellen äußerst beliebt; vor allem Geräte an kleinen Bahnhöfen, an denen keine Videokameras installiert sind und nur wenige Reisende vorbeikommen. Allein im vergangenen Jahr wurden bundesweit 370 Ticketautomaten aufgebrochen. Zu viele, findet die Bahn und beschloss deshalb zurückzuschlagen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: mit explodierenden Farbpatronen. An diesem Dienstag stellt sie das neue Sicherheitskonzept in Berlin vor.
Demnach soll etwa jeder zweite der 7000 Fahrkartenautomaten in den kommenden Jahren mit Farbpatronen ausgerüstet werden, ungefähr tausend Geräte noch in diesem Jahr. Die Bahn will den Tätern das Geschäft vermiesen, und zwar so: Wird die Geldkassette im Automaten angestoßen oder geschüttelt, "platzt eine Farbpatrone und spritzt mit hohem Druck eine nicht ablösbare Farbe auf die Geldscheine", sagt Gerd Neubeck, Sicherheitschef der Bahn, der Süddeutschen Zeitung. "Das Geld ist wertlos, der Aufbruch damit sinnlos." Das Verfahren hat der Staatskonzern seit Anfang 2013 an wenigen Standorten bereits ausprobiert.
Manche sprengen die Automaten, andere nehmen die Brechstange
Zwar ist das Geld nach der Explosion der Farbpatrone auch für die Bahn selber wertlos, doch liegt der Schaden des Unternehmens bei diesen Taten ohnehin weniger in dem Diebstahl als in der Zerstörung der Automaten. Ein solches Gerät samt seinen Zuleitungen zu ersetzen und aufzubauen, kostet etwa 30 000 Euro - während sich im Automaten in der Regel nur ein winziger Bruchteil dieses Betrags an Bargeld befindet. Das liegt daran, dass die Geräte regelmäßig geleert werden und immer mehr Kunden ihre Tickets lieber mit Karte als bar bezahlen. Hingegen hat der massenhafte Aufbruch von Automaten bei der Bahn im vorigen Jahr einen Schaden von 6,7 Millionen Euro verursacht.
Die Täter gehen dabei sehr unterschiedlich vor. Während manche Gas einleiten und den Automaten sprengen, setzen andere die Brechstange oder eine Bohrmaschine an. Oder sie fahren mit einem unauffälligen weißen Werkstattwagen direkt an das Gerät, um Wartungsarbeiten vorzutäuschen. Wer erwischt wird, dem drohen harte Strafen. Den Kopf der Viererbande etwa, einen 35 Jahre alten vorbestraften Schweißer und Metallbauer, verurteilte das Bonner Landgericht im vergangenen Jahr wegen schweren Bandendiebstahls zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis.