Deutsche Bahn Desaster auf Schienen

Mal ist es Schnee, mal ist es Wärme, am Sonntag war es eine Kombination aus beidem: Bei der Bahn reiht sich Panne an Panne. Konzernchef Grube muss um den Ruf seines Konzerns kämpfen - heute sogar vor zwei Politiker-Gremien.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Welches Wetter die Bahn vor Probleme stellt, ist mittlerweile eigentlich egal. Mal ist es Schnee, mal ist es Wärme, am Sonntag war es eine Kombination aus beidem. Tauwetter ließ die Flüsse steigen, in Wuppertal wurde eine der wichtigsten ICE-Trassen unbefahrbar. Nicht, dass der Staatskonzern irgendetwas dafür könnte. Für das Unternehmen aber reihen sich die Pannen mittlerweile zum Desaster. Seit Wochen fährt die Bahn nach Not- und Krisenplänen, die Kritik wächst. Und Bahn-Chef Rüdiger Grube muss mittlerweile mehr um Verständnis werben als um neue Kunden.

Reisende vor einem ICE im Hauptbahnhof in Hamburg

(Foto: dpa)

Gleich zweimal wird er sich an diesem Montag verantworten müssen: um zehn Uhr vor dem Berliner Abgeordnetenhaus, um zwölf vor der Konferenz der Landesverkehrsminister. Richtig angenehm wird es nirgendwo werden, und schuld ist das wichtigste Kapital der Bahn - ihre Züge. In Berlin stauten sich wegen des Frosts die S-Bahn-Züge vor den Wartungshallen, aufgrund ihrer anfälligen Achsen müssen sie öfter zur Kontrolle.

Der ohnehin gültige Notfahrplan wurde deswegen weiter ausgedünnt, auf einzelnen Berliner Strecken lief tagelang gar nichts, in den verbleibenden Zügen gab es Gedränge. "Damit hatte so keiner gerechnet", heißt es nun bei der Bahn. "Natürlich waren wir auch entsetzt." Auch im Fernverkehr fielen reihenweise Züge Schnee und Eis zum Opfer. Und weil die gesamte ICE-Flotte die Geschwindigkeit drosseln musste, war der Fahrplan der Bahn nicht mehr viel wert.

Vorsorgliche Abbitte

All das muss sich Grube an diesem Montag vorhalten lassen, und rein vorsorglich leistet er schon Abbitte. Zwar habe man sich weitaus besser auf den Winter vorbereitet als im vorigen Jahr, ließ er am Sonntag wissen. Nur sei dieser Winter außergewöhnlich hart gewesen. Die Bahn müsse "noch besser werden". Das sehen auch die Verkehrsminister der Bundesländer so, einige von ihnen wollen der Bahn nun sogar mehr Geld lassen, um in neue Züge zu investieren.

Dieser Vorschlag dürfte zu Streit führen. Anders als früher will der Bund einen Teil der Bahn-Dividende haben, eine halbe Milliarde Euro soll der Konzern jährlich überweisen. Selbst unionsgeführte Länder wollen davon nichts wissen. "Massive Einsparungen im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang" hätten die Probleme erst verursacht, heißt es in einer Vorlage für diesen Montag. Die Bahn brauche die volle Dividende, um wieder verlässlich zu werden. Dass es so kommt, ist unwahrscheinlich. "Die Mittel sind fest eingeplant", wehrt das Bundesfinanzministerium ab.

Dabei könnte die Bahn tatsächlich Geld gut gebrauchen - etwa für dringend nötige neue Intercity- und ICE-Garnituren. Ganz abgesehen davon steckt sie in schwierigen Tarifverhandlungen, die Bahngewerkschaft EVG will sechs Prozent mehr Geld. Und zu allem Überfluss muss sich der Konzern bald erstmals ernsthaften Konkurrenten im Fernverkehr stellen: Im Herbst startet nach langen Vorbereitungen der "Hamburg-Köln-Express" - mit Preisen deutlich unter jenen der Bahn. Das Jahr wird absehbar nicht einfach für Grube. Mögliche Probleme mit Klimaanlagen im Sommer sind da noch gar nicht eingerechnet.

Und weil sich so viel bessern soll, hat Grube 2011 zum "Jahr der Umsetzung" ausgerufen. "Kunde, Kunde und nochmals Kunde" sei die Devise, schrieb er unlängst an seine Mitarbeiter. Und dieser Kunde solle die Bahn künftig zumindest "in der versprochenen Qualität" erleben. Vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit.