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Erneuerung bei der Bahn:Bauboom mit Haken

Sternbrücke in Hamburg Altona

Die Deutsche Bahn will die Sternbrücke über der Stresemannstraße in Hamburg abreißen lassen.

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Sie sind oft alt und marode, die Gleise, Brücken und Bahnhöfe. 86 Milliarden Euro wollte die Deutsche Bahn in die Erneuerung stecken. Doch rasant steigende Baukosten werden zum Problem.

Von Markus Balser, Berlin

Es ging um Zahlen der Superlative, auch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) scheute während der Vorstellung des Programms im Januar keine großen Worte: Bis 2029 sollen nach einem Beschluss der Regierung 86 Milliarden Euro in die Erneuerung von Gleisen, Bahnhöfen, Brücken und Stellwerken fließen. Es sei das größte Modernisierungsprogramm in der mehr als 180-jährigen Geschichte der Eisenbahn, kündigte Scheuer bei der Unterzeichnung an. Die Pläne sind so riesig wie konkret. So sollen etwa 2000 marode Brücken bis 2029 auf Vordermann gebracht werden. Vier Milliarden Euro soll das allein bis 2024 kosten.

Nun allerdings wird klar, dass der Bauboom einen Haken hat. Denn die Baukosten des Konzerns steigen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung derzeit teils massiv an und könnten sich zum ernsten Problem für die Runderneuerung der teils maroden Bahn-Infrastruktur entwickeln. Besonders beim Brückenbau. Seit 2015 haben sich die Kosten je Quadratmeter hier fast verdoppelt. Sie legten in diesem Zeitraum um 92,2 Prozent zu. So geht es aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020, also seit Unterzeichnung der Pläne, stiegen die Preise trotz Corona-Krise um satte 25 Prozent.

Für die Bahn könnte das gravierende Folgen haben. Denn die hohen Kosten werfen die Frage auf, ob die Bahn ihre Pläne realisieren kann. Dabei sind Sanierungen dringend nötig. Beispiel Brücken: Die Bahn betreibt etwa 25 000 Eisenbahnbrücken. Viele gelten als sanierungsbedürftig. Von den Brücken sind 9000 älter als 100 Jahre.

Das Phänomen höherer Kosten trifft die Bahn auf breiter Front. In anderen Bereichen wie dem Ausbau von Gleisen oder Bahnübergängen sind die jährlichen Kostensteigerungen zwar geringer, aber immer noch deutlich spürbar. Bei Lärmschutzwänden oder Oberleitungen legten die Kosten seit 2017 um insgesamt 25 Prozent zu. Bei Leit- und Sicherungstechnik, Bahnübergängen oder Gleisen immerhin noch um etwa fünf Prozent.

Für manche Brückenbauprojekte gab es keinen Bieter

Die Opposition warnt vor den Folgen. "Mit Blick auf die massiven Baupreissteigerungen im Schienenbau" komme die Finanzplanung der Bundesregierung für die Bahn einer Kürzung gleich, sagt Sven-Christian Kindler, Grünen-Sprecher für Haushaltspolitik. "Die Bahn erhält für das gleiche Geld immer weniger Bauleistung." Im Vergleich zu 2015 bekomme die Bahn im kommenden Jahr nur noch eine halbe Brücke für dieselben Ausgaben. "Verkehrsminister Scheuer und Finanzminister Olaf Scholz müssen die Mittel für die Bahn deutlich aufstocken", fordert Kindler.

Die Bahn gab am Montag Probleme zu. Der Konzern beobachte "durch ein insgesamt steigendes Bauvolumen und die erhöhte Nachfrage der Straßenbaulastträger eine Marktverknappung", sagte eine Sprecherin. Die Anzahl der Angebote bei Eisenbahnbrücken je Ausschreibung sei seit einiger Zeit rückläufig. Für einen Teil der veröffentlichten Brückenprojekte habe es gar überhaupt keinen Bieter gegeben - sie mussten neu ausgeschrieben werden. Die Bahn sei mit der Bauindustrie und Branchenvertretern bereits in verschiedenen Initiativen aktiv, um Lösungen zu finden.

Der Konzern kündigte am Montag dennoch an, die Zusagen gegenüber dem Bund einzuhalten. "Die DB hält trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen weiter an dem Modernisierungsprogramm für die 'Starke Schiene' und für die Brücken fest", sagte die Sprecherin. "In den kommenden zehn Jahren plant die DB, insgesamt 2000 Eisenbahnbrücken zu erneuern. Gewisse Preissteigerungen seien einkalkuliert. "Auf außergewöhnliche Preissteigerungen kann zudem mit gezielten Steuerungsmaßnahmen reagiert werden", erklärte die Bahn. Die Forderung nach mehr Geld soll das allerdings nicht sein. "Die Mittel sind auskömmlich."

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