Arbeitsmarkt Bahn will von Azubis keine Bewerbungsschreiben mehr verlangen

Der Staatskonzern sucht dringend neue Mitarbeiter. Angehende Azubis sollen es nun bei der Bewerbung leichter haben.

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  • Angehende Bahn-Auszubildende brauchen bei ihrer Bewerbung bald kein Anschreiben mehr.
  • Der Konzern sucht dringend neues Personal und will es seinen Bewerbern mit dem Wegfall des Schreibens leichter machen.

Die Deutsche Bahn will bei angehenden Azubis künftig auf das Bewerbungsschreiben verzichten. Von kommendem Herbst an soll es möglich sein, über die Online-Bewerbungsplattform nur noch den Lebenslauf und Zeugnisse einzureichen, teilt das Unternehmen mit. "Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen", sagt Carola Hennemann, die die Bahn-Personalgewinnung in Baden-Württemberg leitet und bundesweit für die Einstellung von Ingenieuren zuständig ist.

Die Bahn dürfte damit auch versuchen, als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Der Konzern benötigt in nächster Zeit viele neue Mitarbeiter, da ein großer Teil des Personals kurz vor der Verrentung steht. Allein in den kommenden zehn Jahren werde etwa die Hälfte der Belegschaft aus Altersgründen das Unternehmen verlassen, teilt die Bahn mit. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Passagiere im Fernverkehr ansteigen. Union und SPD fordern in ihrem Koalitionsvertrag, dass im Jahr 2030 rund 280 Millionen Fahrgäste in ICE und Intercity unterwegs sind. Das wären doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Auch bei anderen Berufsgruppen könnte das Anschreiben wegfallen

Um auf die Entwicklungen zu reagieren, will die Bahn bereits in diesem Jahr rund 19 000 neue Mitarbeiter einstellen, darunter 3600 Auszubildende. Vor allem sucht sie IT-Experten und Ingenieure, aber auch angehende Lokführer oder Fahrdienstleiter.

Dass kein Anschreiben mehr hochgeladen werden muss, soll für Bewerber gelten, die im Jahr 2019 als Azubis anfangen wollen. Gerade dem Nachwuchs werde dadurch die Bewerbung leichter gemacht: "Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig", sagt Bahn-Personalerin Hennemann. Dass durch den Wegfall die Qualität der Auszubildenden sinken könnte, glaubt das Unternehmen nicht. "Wir prüfen die Motivation der Bewerber sowieso noch mal in einem Gespräch ab", sagt Hennemann.

Die Bahn schließt nicht aus, dass das Bewerbungsschreiben künftig auch bei weiteren Berufsgruppen wegfällt. "Wir schauen, welche Erfahrungen wir damit machen. Und dann werden wir das ausweiten", sagt ein Bahnsprecher. Auch andere Unternehmen verzichten bereits auf das lange obligatorische Bewerbungsanschreiben, darunter etwa der Dax-Konzern Henkel.

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