Deutsche Bahn Gewinneinbruch und Personalquerelen

Bahnchef Rüdiger Grube (l) und der damalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla eröffnen am 01.04.2010 im Emmericher Bahnhof ein Betuwe-Informationszentrum.

Die Deutsche Bahn fährt laut Medienberichten weit weniger Gewinn ein als erwartet. Und auch die Diskussion um Personalentschweidungen wird neu entfacht. Ein Postentausch könnte Pofalla doch noch einen Job sichern.

Die Deutsche Bahn muss ihre internen Gewinn- und Umsatzerwartungen im laufenden Jahr deutlich nach unten korrigieren. Nach Informationen der Wirtschaftswoche sieht die Budgetplanung für 2014 eine drastische Reduktion bisheriger Wachstumspläne vor.

Demnach soll der zunächst auf 2,4 Milliarden Euro bezifferte angepeilte Gewinn vor Zinsen und Steuern der Bahn 2014 um eine Milliarde Euro geringer ausfallen. Der Umsatz des Konzerns dürfte den Recherchen zufolge ebenfalls von 45,4 auf 41,5 Milliarden Euro sinken.

Eine Ursache für die kassierten Ziele sei die schwache europäische Konjunktur, die vor allem die Speditionstochter Schenker und die Schienennetz-Sparte treffe. Ein Teil der Belastungen habe sich auch durch zusätzliche Personalausgaben nach Engpässen in den Stellwerken im vergangenen Jahr ergeben.

Personalentscheidungen bei der Bahn

Stichpunk Personalquerelen: Union und SPD loteten einen neuen Weg für den möglichen Wechsel von Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) in den Vorstand des bundeseigenen Unternehmens aus. Das schreibt das Magazin Focus. Ein Personaltausch könnte Pofalla den Weg in das Führungsgremium ebnen, berichtete das Magazin unter Berufung auf den Aufsichtsrates.

Dessen Vorsitzender Utz-Hellmuth Felcht könnte sich demnach bei der Jahreshauptversammlung am 26. März zurückziehen und Platz für einen SPD-nahen Nachfolger machen. Wunschkandidat für den Aufsichtsrats-Chefposten soll der Sozialdemokrat Achim Großmann sein. Im Gegenzug könnte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube dann den Personalvorschlag Pofalla durchbringen, heißt es. Großmann war von 1998 bis 2009 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Er saß am Ende seiner Amtszeit ein Jahr für den Bund im Bahn-Aufsichtsrat.

Der CDU-Politiker Pofalla solle im Sommer 2014 zunächst den niedriger dotierten Job des politischen Beauftragten von Georg Brunnhuber übernehmen, dessen Vertrag am 31. März endet, schreibt das Magazin. Darüber könne der Bahn-Vorstand ohne Zustimmung des Aufsichtsrates verfügen. 2016 könnte Pofalla dann für den DB-Vorstand nominiert werden, um dort im März 2017 neben dem Bereich Politik auch Compliance, Datenschutz und Recht zu übernehmen.

Vertrag von Grube nicht vorab verlängert

Nach einem Vorabbericht des Spiegel kann Bahn-Chef Rüdiger Grube derzeit nicht darauf hoffen, dass sein 2017 auslaufender Vertrag vorzeitig verlängert wird. Dies sei "extrem unwahrscheinlich", heiße es in Regierungskreisen und im Bahn-Aufsichtsrat. Erklärt wird diese Zurückhaltung vor allem mit dem ungeschickten Vorgehen des Bahn-Chefs bei dem Versuch, Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla als Lobbyisten in den Bahnvorstand zu holen. Auch Grubes Widerstand gegen das Eisenbahnregulierungsgesetz im vergangenen Jahr hatte in Berlin für erhebliche Verstimmung gesorgt.

Zu den personellen Überlegungen wollte die Bahn bislang keine Stellung nehmen. Am 9. Januar hatte Regierungssprecher Steffen Seibert einen ähnlichen Bericht dementiert. Das Bundesverkehrsministerium teilte seinerzeit mit: "Aus unserer Sicht ist Herr Felcht der richtige Aufsichtsratsvorsitzende." Anfang Januar waren die Wechselabsichten Pofallas publik geworden und auf scharfe Kritik gestoßen. Die schwarz-rote Koalition will den Zeitabstand bei einem Wechsel ausgeschiedener Bundesminister in die Wirtschaft nun per Gesetz regeln.