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Deutsche Bahn:Bahn erhöht erneut die Preise

Die Tickets im Fernverkehr werden ab Dezember 1,5 Prozent teurer. Und die Senioren-Bahncard gibt es künftig erst ab 65 statt bereits ab 60 Jahren.

Von Markus Balser, Berlin

Die Deutsche Bahn erhöht mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember viele Fahrpreise im Fernverkehr. Damit beendet der Staatskonzern die Phase stabiler Preise nach der Mehrwertsteuersenkung durch die Bundesregierung zu Jahresbeginn. Die Bahn kündigte am Dienstag eine Erhöhung der Ticketpreise im Normaltarif um 1,5 Prozent an. Für Streckenzeitkarten und die Bahncard 100 liegt der Aufschlag im Durchschnitt bei 1,9 Prozent. Super-Sparpreise und Sparpreise bleiben unverändert, ebenso die Preise für die Bahncards 25 und 50. Der Start für die Buchungen nach neuem Fahrplan beginnt laut Bahn am 13. Oktober. Wer bis einschließlich 12. Dezember seine Reise buche, aber später fahre, bekomme die Tickets jedoch noch zu den alten Preisen, erklärte die Bahn weiter.

Die Bahnpreise gelten als Politikum. Zum 1. Januar 2020 hatte die Bundesregierung die Mehrwertsteuersätze für Fernverkehrstickets gesenkt. Die Bahn hatte diese an die Kunden weitergereicht und die Preise um rund zehn Prozent gesenkt. Dabei hatte der Konzern vorerst stabile Preise versprochen. Dies gibt er nun auf.

Verbraucherschützer äußerten sich verärgert. Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) bezeichnete die Erhöhung als "unverschämt". Das Unternehmen erhalte eine fünf Milliarden Euro schwere Finanzspritze vom Steuerzahler, sagte Müller. Zudem sei die Bahn unpünktlich, es gebe wenig Kulanz für die Kunden. Mit den steigenden Preisen für flexible Tickets, Streckenkarten und die Bahncard 100 bitte die Bahn ausgerechnet die treuesten Kunden zur Kasse. Nun räche sich, dass der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Staatshilfe nicht an verbraucherfreundliche Konditionen gekoppelt habe. "Die Bahn ist leider auf dem falschen Gleis unterwegs", sagte Müller.

Zu den neuen Neuerungen gehört auch, dass die Bahn die Bedingungen für die Senioren-Bahncard verändert. Diese ermäßigte Bahncard für Neukunden sollen Neukunden künftig erst ab einem Alter von 65 Jahren erhalten, statt wie bisher ab 60 Jahren.

Die Bahn rechtfertigte die Preiserhöhung am Dienstag auch mit der Ausweitung ihres Angebots. Bis Ende des Jahres schaffe sie 13 000 zusätzliche Sitzplätze im Fernverkehr. Bis 2026 investiere der Konzern insgesamt etwa 8,5 Milliarden Euro in neue und modernisierte ICE und Intercity-Züge.

© SZ vom 07.10.2020

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