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Designierte Chefin der US-Notenbank Fed:Yellen will lockere Geldpolitik fortsetzen

Auf diese Nachricht haben die Anleger gewartet: Die designierte Fed-Präsidentin Janet Yellen kündigt an, weiter monatlich Anleihen in Milliardenhöhe aufkaufen zu wollen. Außerdem will sie Großbanken strengeren Regeln unterwerfen.

Die von der künftigen US-Notenbankchefin Janet Yellen angekündigte weitere Konjunkturstützung durch die Fed hat die US-Börsen am Donnerstag auf Rekordstände getrieben. Es sei geboten, dass die Fed alles unternehme, um einen starken Aufschwung weiter zu fördern, sagte Yellen in einer von den Anlegern seit Tagen mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats.

Auch ihr Hinweis: "Es liegt noch mehr Arbeit vor uns", wurde als klares Signal für die Fortsetzung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms durch die Notenbank auf absehbare Zeit gewertet. "Es ist ziemlich deutlich geworden, dass Yellen den bisherigen Kurs für eine ganze Weile fortsetzen wird", sagte der Chef des Aktienhandels von RBC Global Assett Management, Ryan Larson. "Die Märkte atmen aus Erleichterung geradezu auf." "Die Politik des billigen Geldes bleibt uns noch eine Weile erhalten", sagte auch Marktanalyst Lars Christensen von der Danske Bank.

Die Fed kauft derzeit Wertpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar pro Monat auf. Eine Drosselung angesichts der positiven Konjunkturentwicklung war von vielen Anlegern befürchtet worden.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit 0,35 Prozent im Plus bei 15.876 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,5 Prozent auf 1790 Punkte zu. Für beide Indizes markierten die Schlussnotierungen neue Höchststände. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 3972 Punkten. Auch der Dax profitierte stark von Yellens Ankündigung und ging mit einem Plus von einem Prozent bei 9149,66 Punkten aus dem Handel. Der EuroStoxx50 gewann 1,1 Prozent auf 3053,69 Zähler.

Strengere Regeln für Großbanken

Yellen kündigte zudem an, Großbanken strengeren Regeln unterwerfen zu wollen. Die großen Geldhäuser könnten sich noch immer billiger Geld leihen als kleinere Wettbewerber, weil die Finanzmärkte offenbar im Notfall mit Regierungshilfe rechnen, sagte Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats. "Weil diese Firmen ein systemisches Risiko darstellen, sollten wir ihnen den Wettbewerb erschweren und sie dazu ermutigen, kleiner und weniger systemisch zu werden", erläuterte Yellen.

Die US-Notenbank erwäge derzeit zusätzliche Regeln, die über die sogenannten "Dodd-Frank-Gesetze" von 2010 hinausgingen, sagte Yellen weiter. Zudem werde die Federal Reserve möglicherweise neue Anforderungen für den Handel mit physischen Rohstoffen stellen. Die Fed erlaubte den Instituten erst 2003 den Einstieg in dieses Geschäft. Dies führte dazu, dass einige Banken im Besitz von Öl-Speichern, Lagerhäusern oder Kraftwerken sind. Derzeit überprüft die Fed diese Entscheidung, nachdem Kritiker den Banken Preismanipulationen vorgeworfen hatten.

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