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"Desertec"-Solarkraftwerk in Marokko:Die Kabel nach Europa liegen bereits

Finanziert werden soll das Projekt gemeinsam von der Industrie, nationalen Regierungen und internationalen Organisationen. Die Dii-Gesellschafter seien bereit, alleine rund 200 Millionen Euro der Investitionen zu übernehmen, heißt es. "Wir arbeiten eng mit der marokkanischen Solaragentur Masen zusammen, der Plan für das Projekt steht, die Industrie ist interessiert. Wir müssen jetzt noch klären, wer welche Rechnung zahlt", sagt van Son.

Damit beginnt ein regelrechter Wettlauf um die ersten prestigeträchtigen Pilotprojekte des Wüstenstromprojekts. In Tunis stimmte die Afrikanische Entwicklungsbank bereits im Sommer als letzter wichtiger Geldgeber einem weiteren Kraftwerk in Marokko zu. Ebenfalls in Ouarzazate entsteht damit ein zweites Solarthermie-Projekt, das ausschließlich Energie für Marokko liefern soll. Auch hier ist die Bundesregierung am ersten Bauabschnitt beteiligt. Sie schießt 115 Millionen Euro zu.

Das Ziel der Desertec-Planungsgesellschaft ist es, in den Wüstenländern Nordafrikas und des Nahen Ostens erneuerbare Energien aus Sonne und Wind als Wirtschaftszweig aufzubauen. Die Bevölkerung dieser Region wird sich bis 2050 auf 700 Millionen verdoppeln. Damit kann der wachsende Energiehunger nicht mehr allein aus immer teureren fossilen Energieträgern gedeckt werden. Außerdem hat sich die Dii das Ziel gesetzt, 15 Prozent des europäischen Strombedarfs bis zum Jahr 2050 mit Wüstenstrom zu decken. Das gesamte Investitionsvolumen wird in diesem Zeitraum auf mehrere Hundert Milliarden Euro geschätzt.

Marokko setzt bereits große Hoffnungen in das Projekt. Neun Milliarden Dollar will die Regierung in Rabat allein für ihren Solarplan mobilisieren, um die Abhängigkeit des Landes von Energieimporten zu reduzieren. Bislang muss das Land 95 Prozent der Energie einführen. Bereits 2020 aber sollen erneuerbare Energien mehr als 40 Prozent der Kraftwerkskapazitäten des Landes stellen - und so die Importkosten fossiler Energien um 500 Millionen Dollar pro Jahr senken.

Mit dem Export der Energie nach Europa will das Land zudem eine neue Einnahmequelle erschließen. Die Kabel nach Europa liegen bereits: Zwei Leitungen durch die Meerenge von Gibraltar verknüpfen Marokko mit dem europäischen Stromnetz. Damit rückt der Import nordafrikanischer Solarenergie in greifbare Nähe. "Wir sind überzeugt davon, dass diese Energie für uns die Zukunft ist", sagt Marokkos Industrieminister Amara.

Trotz zäher Vorbereitungen für die ersten Projekte gilt die Desertec-Idee in deutschen Unternehmen wegen des international wachsenden Interesses an Solarkraftwerken als Zukunftsgeschäft. So plant allein Saudi-Arabien nach einem Beschluss in diesem Sommer in den nächsten zehn Jahren den Bau von Kraftwerken mit einer Kapazität von 25 Gigawatt - der Leistung von bis zu 20 Atomkraftwerken. Bislang sind lediglich Anlagen in der Größenordnung von drei Kraftwerken installiert. Saudi-Arabien könnte für den ganzen arabischen Raum eine wichtige Rolle spielen, weil es die Finanzkraft hat, Projekte in Nordafrika auf die Beine zu stellen.

Rund 40 deutsche Unternehmen haben sich nach SZ-Informationen zu einem neuen Solar-Netzwerk Deutsche CSP zusammengeschlossen. Dazu zählen etwa Eon, das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum, der Baukonzern Bilfinger und Schott. "Wir erwarten in den nächsten sechs Jahren ein Marktvolumen von 15 Milliarden Euro pro Jahr", sagt Patrick Marckschläger, der Geschäftsführer von Schott Solar.

© SZ vom 31.10.2012/fran
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