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Desertec in Tunesien:Wüstenstrom nach der Revolution

In Tunesien könnte der Bau von Desertec-Anlagen vorangehen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung schreitet das Wüstenstromprojekt auch nach dem Sturz des Autokraten Ben Ali voran. Die Pläne werden konkreter.

Die Wüstenstrominitiative Desertec verstärkt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ihre Aktivitäten in Tunesien. Das Industriekonsortium DII habe eine Machbarkeitsstudie für den Bau von Sonnenkraftwerken in den Wüsten des nordafrikanischen Landes gestartet, verlautet aus dem aus 17 Industrieunternehmen bestehenden Konsortium.

DII-Chef Paul van Son habe mit der tunesischen Übergangsregierung weitere Schritte zur Realisierung der Wüstenstromvision vereinbart. Mehrere Minister der Regierung hätten bei einem Besuch die Unterstützung der Pläne signalisiert. Im Mittelpunkt der Gespräche habe die Schaffung lokaler Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Perspektiven für die jungen Bevölkerungen gestanden.

Nach dem Sturz des tunesischen Autokraten Ben Ali gilt die Aufnahme der Desertec-Aktivitäten als wichtiges Signal der nordafrikanischen Region zum Festhalten am Wüstenstromprojekt. Nach Marokko, das unmittelbar vor dem Bau erster Anlagen steht, könnte Tunesien damit das zweite Land werden, das den Bau solarthermischer Kraftwerke vorantreibt. Es habe für die Initiative strategische Bedeutung, hieß es weiter. Die Erneuerbare-Energien-Tochter des staatlichen Energiekonzerns STEG und die DII loteten dazu nun gemeinsam mögliche Standorte für große Solar-und Windenergie-Projekte in Tunesien aus. Untersucht werden dabei die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für die Einspeisung der Energie in lokale Netze und den Export des Stroms in Nachbarländer sowie nach Europa. Auch die Finanzierung eines möglichen Referenzprojekts in Tunesien sei besprochen worden.

Um den Ausbau der Desertec-Pläne in Nordafrika rascher vorantreiben zu können, eröffne die DII zudem ein eigenes Büro in Tunis. Vertreter der Wüstenstrominitiative in Nordafrika soll der ehemalige Tunesien-Chef des Industriekonzerns Siemens, René Buchler, werden. Der Industriemanager arbeite seit vielen Jahren in der Region. Der Luxemburger verfüge daher über viel Erfahrung in der Umsetzung großer Projekte. "Die jüngsten Ereignisse in Japan und Nordafrika haben gezeigt, dass die langfristige Entwicklung von ökonomisch sinnvollen und nachhaltigen Energieprojekten in der Wüste notwendig ist", sagt DII-Chef van Son. "Die enge Zusammenarbeit mit der tunesischen Regierung und die Gründung des tunesischen Büros schaffen die Grundlage, um die Verwirklichung der Desertec-Vision zu beschleunigen."

© SZ vom 11.04.2011/bbr
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