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Demografie:Ostdeutschland stoppt Abwanderung - erstmals mehr Zuzüge

Einkauf und Umtausch nach Weihnachten

Mehr Menschen ziehen nach Ostdeutschland: Szene aus der Prager Straße in Dresden (Archiv)

(Foto: dpa)
  • Die jahrzehntelange Abwanderung aus Ostdeutschland ist vorerst beendet. Unterm Strich zogen zuletzt mehr Menschen in den Osten als von dort abwanderten.
  • Für die Trendwende sind vor allem Großstädte wie Leipzig, Potsdam, Erfurt oder Jena verantwortlich.

Jetzt ist es praktisch offiziell: Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt und Potsdam sind cool. Dank dieser Städte zieht Ostdeutschland unterm Strich mehr Menschen an als von dort abwandern. Das zeigt eine neue Studie der Demografieforscher des Berlin-Instituts, die vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wurde. Die jahrzehntelange Abwanderung aus den neuen Bundesländern sei gestoppt, heißt es darin. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen konnten demnach seit 2012 mehr Menschen aus dem Westen und dem Ausland anziehen, als sie dorthin verloren. Die Forscher nennen das "Trendwende".

Aber nicht alle Gemeinden und Landkreise profitieren vom Ost-Boom, sondern nur eine kleine Minderheit. "Nur in neun Prozent aller Gemeinden lebten 2013 mehr Menschen als noch sechs Jahre zuvor", schreiben die Autoren der Studie. Rund neun von zehn Gemeinden verloren zwischen 2008 und 2013 unterm Strich Einwohner: "Somit steht wenigen wachsenden Gemeinden eine überwältigende Mehrheit an schrumpfenden gegenüber."

Attraktiv für jüngere Menschen

Der Boom konzentriert sich vor allem auf die größeren ostdeutschen Städte - Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt oder Potsdam. Gerade junge Menschen sind zum Beispiel für ihre Ausbildung dorthin gezogen oder um dort zu studieren. Weil der Arbeitsmarkt mehr Chancen bietet als früher, bleiben viele auch danach dort.

Diese dynamischen Zentren könnten als "wichtige Wachstumsmotoren" bei ansonsten rückläufigen Einwohnerzahlen wirken, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. Die Kehrseite sei, dass die Großstädte vor allem junge Leute aus den ländlichen Regionen abziehen. Das Gefälle zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen werde damit immer größer.

Attraktiv für ältere Menschen

Einige mittelgroße Städte konnten sich immerhin stabilisieren. "Als lokale Versorgungszentren bieten sie kurze Wege zu Ärzten, Apotheken, Geschäften, Restaurants oder kulturellen Einrichtungen", sagt Manuel Slupina, Hauptautor der Studie. Für die wachsende Zahl der Rentner und Pensionäre aus dem Umland dürften diese Städte weiter an Anziehungskraft gewinnen. Die Städte sollten daher ihr altersfreundliches Umfeld besser nach außen vermarkten, raten die Forscher.

Dass dadurch potenzielle jüngere Zuwanderer vergrault werden, glaubt Slupina nicht. Zuzug von Älteren bedeute auch verstärkte Nachfrage nach Dienstleistungen und damit neue Arbeitsplätze für jüngere Menschen etwa für Friseure, im Handel und der Pflege.

© SZ.de/bbr/AFP/jasch/jab

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