Lieferdienste:Uber steigt bei Delivery Hero ein

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Die Marke Foodpanda gibt es in verschiedenen asiatischen Ländern: Hier Fahrer in Kuala Lumpur. (Foto: Lim Huey Teng/Reuters)

Schon lange versucht das Berliner Unternehmen, einen Großteil seines Geschäfts in Asien loszuwerden. Jetzt ist ihm das zu einem Teil gelungen - mit einem Deal, der mehr als eine Milliarde US-Dollar umfasst.

Von Simon Groß

Der eine geht, der andere übernimmt. Während sich das Berliner Unternehmen Delivery Hero aus großen Teilen seines Asiengeschäfts zurückziehen will, sieht der amerikanische Rivale Uber nun seine Chance gekommen. Wie am Dienstag bekannt wurde, steigt Uber in einem großen Deal bei Delivery Hero ein und nimmt dem Lieferdienst seine Tochtergesellschaft in Taiwan ab. Uber zahlt laut Delivery Hero 950 Millionen Dollar (etwa 880 Millionen Euro) für Foodpanda Taiwan. "Wir müssen unsere Ressourcen auf andere Teile unserer globalen Präsenz konzentrieren", sagte Niklas Östberg, Mitgründer und Chef von Delivery Hero, am Dienstag.

Dass der US-Fahrdienstvermittler und -Essenslieferant wohl grundsätzlich optimistisch ist, was die Zukunft des Konkurrenten anbelangt, wird an anderer Stelle deutlich: Uber verpflichtet sich im Rahmen des Deals auch zum Kauf neuer Delivery-Hero-Aktien im Wert von 300 Millionen US-Dollar - zu einem Preis, der 30 Prozent über dem Schlusskurs vom Montag lag.

Taiwan und Südkorea gelten als besonders attraktive Märkte für Lieferdienste

Die Aktionäre goutieren offenbar die Strategie von Delivery Hero, sich aus dem Teil seines Geschäfts zurückzuziehen. So stiegen die Titel des Berliner Lieferdienstes zum Börsenstart um mehr als 20 Prozent, so stark wie zuletzt vor drei Monaten. Der Deal sei eine positive Überraschung, sagte ein Börsianer der Nachrichtenagentur Reuters. Laut Informationen der Wirtschaftswoche hatten die beiden Konzerne Anfang des Jahres schon einmal erfolglos über einen Deal verhandelt. Der von Delivery Hero geforderte Preis soll damals deutlich mehr als eine Milliarde US-Dollar betragen haben, hätte damit also wesentlich über dem nun beschlossenen Preis gelegen.

Der Markt für Essenslieferungen in Taiwan ist besonders attraktiv - und damit hart umkämpft. Das liegt daran, dass ein Großteil des Geschäfts in Taipeh stattfindet. Die rund vier Millionen Einwohner der Hauptstadt gelten als dankbare Kundschaft, die viel online unterwegs ist und sich auch mal gerne ihr Essen nach Hause liefern lässt. Bislang haben Delivery Hero und Uber Eats, das Tochterunternehmen von Uber für die Essensliefersparte, den Markt in Taiwan zu zweit dominiert. Mit der Übernahme der Delivery-Hero-Tochter Foodpanda Taiwan setzt sich Uber nun an die Spitze der Lieferdienste im Land.

Zwar habe Foodpanda in den zwölf Monaten bis März 2024 an der Gewinnschwelle operiert, wie die beiden Unternehmen mitteilten. Doch insgesamt hat das Geschäft in Taiwan und Südostasien das Wachstum von Delivery Hero in den vergangenen Quartalen ausgebremst.

Der Konzern versucht deshalb schon seit längerer Zeit, sich von seinem Geschäft in mehreren Ländern der Region zu trennen, dazu zählen Singapur, Kambodscha, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Thailand und Laos. Medienberichten zufolge waren die Gespräche mit mehreren Interessenten damals an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Delivery Hero ist nach eigenen Aussagen weiterhin auf der Suche nach Käufern. Nur ein asiatischer Markt scheint für das Lieferunternehmen nicht zur Disposition zu stehen: Südkorea, wo viele gut verdienende Singles leben, die gerne online bestellen.

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