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Deepwater Horizon: Ein Jahr danach:"Drill, baby, drill"

Tatsächlich hatte Obama als eine der ersten Konsequenzen die staatliche Aufsichtsbehörde über die Ölindustrie zerschlagen lassen. Zu eindeutig waren die Hinweise auf Klüngelwirtschaft zwischen Managern der Ölindustrie und ihren staatlichen Kontrolleuren. Auch wurden die Tiefseebohrungen im Golf nach der Katastrophe zunächst verboten. 35 Bohrinseln mussten ihre Arbeit einstellen, mindestens fünf wurden daraufhin von ihren Eignern nach Brasilien abgezogen.

Bereits im Oktober indes hob die Regierung den Bohrbann für große Teile des Golfs wieder auf. Neuere, etwas schärfere Sicherheitsbestimmungen traten in Kraft, die gewährleisten sollen, dass die Ölunternehmen tatsächlich das leisten können, was BP vor dem Untergang der Deepwater Horizon versichert hatte: Dass genug Kapazitäten bereitstehen, um eine drohende Ölpest bei einem Bohrunfall sofort bekämpfen zu können.

Seither hat das Bureau of Ocean Energy Management, die neu organisierte staatliche Aufsichtsbehörde, 54 Anträge auf neue Tiefseebohrungen im Golf bekommen, 15 davon hat es schon genehmigt, 24 aber wurden für Nachbesserungen an die Ölkonzerne zurückgegeben. Zur Zeit operieren noch 31 schwimmende Bohrplattformen im Golf. Eine Verschärfung der Umweltgesetze indes, wie es nach früheren Umweltkatastrophen - etwa der Exxon-Valdez-Havarie - der Fall war, ist nicht in Sicht.

Im März verkündete Obama, dass er die Ölimporte der USA innerhalb der kommenden zehn Jahre um ein Drittel senken will, durch effizienteren Kraftstoffverbrauch, durch Biokraftstoffe - und durch heimische Öl- und Gasproduktion. Allerdings lehnt er die Erschließung weiterer Küstengewässer für riskante Bohrungen erst einmal ab. Das immerhin ist zweifellos ein Echo der Katastrophe im Golf. Die Ölfirmen sollten zunächst die Bohrlizenzen voll nutzen, die ihnen ohnehin bereits zugeteilt wurden.

Viele Bohrlizenzen noch gar nicht benutzt

Tatsächlich sind zwei Drittel der Bohrlizenzen im Golf noch gar nicht genutzt. Die Republikaner verlangen dagegen die Öffnung weiterer Gebiete getreu ihrem Kampfruf: "Drill, baby, drill". Der war zwar in den Wochen nach dem Unfall nicht zu hören. Ein Jahr danach sind die Benzinpreise in den USA indes explodiert (ein Liter kostet nun rund einen Dollar, umgerechnet etwa 70 Euro-Cent), und die Katastrophe scheint vergessen zu sein: 57 Prozent aller Amerikaner befürworten wieder Ölbohrungen vor ihren Küsten - fast so viele wie vor der Katastrophe.

© SZ vom 20.04.2011/pak

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