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Debatte um Zukunft des Schuldenlandes:Griechenland muss im Euro bleiben

Werft die Griechen aus dem Euro! Mit einem solchen simplen Schritt wollen manche Beobachter die schwerste Krise der Währungsgemeinschaft lösen. Doch richtig ist vielmehr: Ein Rauswurf Griechenlands wäre eine Katastrophe - nicht nur für Athen, sondern auch für Deutschland und den Rest Europas.

Alexander Hagelüken

So schlimm ist es gekommen mit dem Euro, dass nun die Stunde der Schwadroneure schlägt. Auf seiner rührend anmutenden Suche nach Profil bringt Wirtschaftsminister Philipp Rösler mal eben eine "geordnete" Staatspleite Griechenlands ins Spiel. Was das ist, weiß der Neu-Ökonom nicht so genau. Es gibt ein solches Modell auch gar nicht, wie er einräumt. Aber wenigstens taucht der Name Rösler auf den vorderen Zeitungsseiten auf.

Taxi drivers stand near a huge Greek flag during a protest outside the parliament in Athens

Griechische Taxifahrer bei einer Demonstration gegen die Sparbeschlüsse der Athener Regierung.

(Foto: REUTERS)

Da muss natürlich Horst Seehofers CSU nachlegen und den Griechen ganz klar sagen, dass sie bald aus der Währungsunion fliegen könnten - was sie als Regierungspartei in einem der 16 Bundesländer von einem der 17 Euro-Staaten gar nicht zu entscheiden hat.

Werft die Griechen aus dem Euro - das ist die simple Losung, die jetzt gern zur Lösung des schwersten Problems in der Währungsunion ausgegeben wird. Die Antwort darauf kann nur lauten: Ein Rauswurf wäre nicht nur für die Griechen ein Desaster - sondern auch für Deutschland und den Rest Europas. (Abgesehen von dem technischen Argument, dass die europäischen Verträge den Rauswurf als Option nicht vorsehen). Er wäre obendrein teurer als die mühsame Rettung.

Weil das so ist, brechen Rösler und Seehofer mit ihrer Forderung auch keine Tabus, wofür sie sich gerne loben. Vielmehr eskalieren sie lediglich. Die von ihnen angeheizten Spekulationen ließen am Montag die Aktien jener deutschen und französischen Banken abstürzen, die in Athen engagiert sind. Deutschland ist der Anker der Währungsunion. Wenn seine Politiker Chaos verbreiten, investieren Amerikaner und Chinesen ihr Geld lieber woanders.

Ein Rauswurf Griechenlands würde das Land keinesfalls sanieren, wie die Freunde dieses Vorschlags suggerieren. Ja, griechische Firmen könnten ihre Ware billiger exportieren, weil die Drachme nicht viel wert wäre. Griechische Firmen produzieren aber gar nicht so viele Dinge, die im Ausland geschätzt werden, das ist ja eines der Probleme des Landes. Die wertlose Drachme brächte also nur begrenzt Vorteile, aber einen riesigen Nachteil: Athen könnte seine in Euro gemachten Schulden niemals zurückzahlen, weil sich die Verbindlichkeiten durch die Abwertung der Drachme gegenüber dem Euro über Nacht vervielfachen würden. Das Land wäre sofort pleite.

Sobald ein Rauswurf wahrscheinlich ist, werden die Griechen ihre Banken stürmen, um ihre Euro ins Ausland zu bringen; so gingen die Geldhäuser bankrott. Wie eine Staatspleite abläuft, lässt sich an Argentinien sehen, das vor einer Dekade zusammenbrach - und bis heute an den Finanzmärkten keine Kredite bekommt. Argentinien ist aber kein Euro-Mitglied. Der absehbare Kollaps Griechenlands würde auch alle Firmen und Banken anderer EU-Staaten treffen, die dort Geschäfte machen. Und das sind einige.

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