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Debatte um Hochfrequenzhandel:Je mehr Marktteilnehmer eine Strategie anwenden, desto unattraktiver

Die betroffenen Firmen verweisen darauf, wie nützlich der Blitzhandel auch für normale Anleger ist: Er schafft Liquidität und macht das Handeln billiger. "Hochfrequenzhandel hat die Kosten für einen Auftrag auf ein Zehntel seines früheren Wertes gesenkt", sagt David Howson von Bats Chi X. Auch die Chance, als Anleger den jeweils besten Preis des Tages zu bekommen, ist dank der Computer gestiegen.

Was beide Seiten in dem Streit allerdings meist übersehen: Der Hochfrequenzhandel hat seine besten Tage bereits hinter sich. Seit dem Höhepunkt in der Finanzkrise geht der Marktanteil stetig zurück - in den USA von 61 auf 51 Prozent (2013). Die Erklärung ist relativ einfach: Eine Handelsstrategie, die auf Informationsvorsprüngen basiert, wird immer unattraktiver, je mehr Marktteilnehmer sie anwenden. Nach Schätzung der Analysefirma Tabb sind die Gewinne der Hochfrequenzhändler branchenweit von 7,9 Milliarden Dollar 2009 auf 1,3 Milliarden 2013 gesunken.

Was passiert, wenn die Hälfte des Marktes mit alten Algorithmen arbeitet?

Das Problem mit dem Insiderhandel dürfte - so oder so- über kurz oder lang gelöst werden. Viel schwieriger ist die Frage nach dem Risiko zu beantworten, das der Hochfrequenzhandel für die Sicherheit des Finanzsystems bedeutet. Hier gab es in den vergangenen Jahren ein paar beunruhigende Warnsignale. Im August 2007 musste Goldman Sachs seinen Hedgefonds Global Equity mit drei Milliarden Dollar retten. Der Fonds arbeitete mit Algorithmen, die in der beginnenden Finanzkrise plötzlich nicht mehr stimmten.

Was passiert in einem vergleichbaren Fall, wenn die Hälfte des Marktes mit veralteten Algorithmen arbeitet? Am 6. Mai 2010 brach der Dow Jones binnen weniger Minuten ohne erkennbaren Anlass um über 1000 Punkte ein. Dieser "Flash Crash" wurde zwar nicht durch Blitzhändler verursacht, diese verschärften ihn aber. Schließlich die folgenschwere Panne, die im August 2012 dem Blitzhändler Knight Capital unterlief: Die Firma hatte versehentlich eine Test-Software ins System gegeben und dadurch massive, unbeabsichtigte Kurssprünge in New York ausgelöst. Knight brach fast zusammen und wurde schließlich vom Konkurrenten Getco übernommen.

Die Chefin der SEC, Mary Jo White, sagte im September 2013 vor ihrer Ernennung im Kongress, es habe für sie eine "sehr, sehr hohe Priorität" zu verstehen, wie sich der Hochfrequenzhandel auf die Märkte auswirkt. Wie weit dieser Prozess bei der SEC gediehen ist, weiß man nicht.

© SZ vom 19.04.2014
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