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Debatte über Griechenland-Kredite:Schritt für Schritt zum Schuldenschnitt

Schafft Griechenland die Wende? Das Land spart, aber die Zinslast ist hoch. Der IWF lässt den Euro-Staaten nun ausrichten, sie könnten dem Land doch Schulden erlassen. Doch das würde Europas Steuerzahler treffen.

Der August ist in Brüssel ein ruhiger Monat. Die meisten EU-Beamten flüchten in den Urlaub, in die Heimat, in die Sonne. Jedes Jahr sind im Sommermonat die Straßen des Europaviertels leer. Doch die Krise macht keine Pause. Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds IWF lassen sich vom Wall Street Journal nun mit den Worten zitieren, die Euro-Länder sollten Griechenland Schulden erlassen. Ansonsten könnte der IWF seine Zahlungen an Athen einstellen.

Damit steht die Forderung im Raum, dass die europäischen Staaten und Zentralbanken auf Rückzahlungen von Teilen der milliardenschweren Notkredite verzichten sollen - letztlich würden dann die Steuerzahler diese Verluste tragen.

Vor kurzem hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, dass die Euro-Zone über solche Planspiele nachdenke. Die Diplomaten betonten demnach, dass es ganz frühe Überlegungen seien, die nicht auf offizieller Ebene stattfänden. Andererseits nannte Reuters schon konkrete Zahlen: Eine Abschreibung von 30 Prozent stünde somit im Raum.

Die Zahlen stützen die Argumente des IWF

Griechenland meldete Anfang der Woche, dass das Primärdefizit im ersten Halbjahr auf etwa 500 Millionen Euro gesunken sei. Das Primärdefizit ist das Haushaltergebnis, bevor die Zinsen für den Schuldendienst abgezogen werden. Im Gesamtjahr 2011 lag dieser Wert noch bei 3,6 Milliarden Euro.

Diese Zahlen stützen die Argumente des IWF - mit weniger Schulden könnte Griechenland wieder auf die Beine kommen. Durch die Zinslast wächst das Defizit enorm. Die Verschuldung müsse demzufolge erst auf ein "nachhaltiges" Niveau sinken, bevor der Fonds weitere Milliarden in ein sonst aussichtsloses Projekt stecke.

Dem WSJ zufolge drängen die IWF-Vertreter darauf, den Schuldenberg bis 2020 auf 100 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung zu drücken. Die bisherige Vereinbarung der Gläubiger mit Athen sieht eine Reduzierung der Schulden auf lediglich 120 Prozent bis zu diesem Zeitpunkt vor.

Schuldenschnitt beim IWF selbst? Kein Thema

Ein Schuldenschnitt der öffentlichen Gläubiger ist bisher ein Tabu. Ein solcher Plan dürfte auf enormen Widerstand stoßen. Alleine Deutschland hat Griechenland laut WSJ bereits 127 Milliarden Euro geliehen.

Auch die EZB wird nicht ohne weiteres auf ihr Geld verzichten. Sie hat nervösen Händlern Staatsanleihen in Milliardenhöhe abgekauft, in der Regel wahrscheinlich unter dem Ausgabepreis. Somit könnte die EZB auf einen Teil der Forderungen verzichten, ohne Verluste zu erleiden. Sollte Griechenland seine Schulden vollständig zurückzahlen, würden EZB und Gläubigerstaaten nach jetzigem Stand sogar Gewinn machen.

Ein Verzicht des IWF steht aus Sicht des Fonds nicht zur Debatte. Seine Kredite werden vorrangig zurückgezahlt, erst dann dürfen andere Geldgeber ihre Ansprüche geltend machen. Bis 2020 muss Griechenland dem IWF 33 Milliarden Euro zurückzahlen.