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Geldanlage:Untreue lohnt sich

Bei Anlegern ist der Dax bekannt, doch Experten warnen Sparer davor, nur auf ihn zu setzen.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Der Dax ist in Deutschland bekannt wie kein anderer Börsenindex: 71 Prozent der Bundesbürger kennen den Leitindex. Doch Anlageexperten warnen mitunter vor dem Leitbarometer der deutschen Börse: Was bekannt ist, muss aus Investorensicht nicht automatisch sinnvoll sein.

Erstens ist der Dax mit 30 Titeln relativ klein, sodass größere Firmen deutlichen Einfluss auf den gesamten Index haben können. Dax-Schwergewichte wie der Industriegasekonzern Linde oder das Softwareunternehmen SAP stehen jeweils für rund zehn Prozent des Index. Wie abhängig der Dax deshalb von Nachrichten aus nur einem Unternehmen sein kann, zeigte sich erst am vergangenen Montag. Per Pflichtmitteilung senkte das Dax-Schwergewicht SAP seinen Ausblick, was den Kurs des Softwarekonzerns zwischenzeitlich um rund 20 Prozent in die Tiefe drückte. Auch der Dax konnte sich dem Sog dieses Kurscrashs nicht entziehen und fiel um 3,7 Prozent.

Wie deutlich eine Handvoll Schwergewichte den Index dominiert, zeigt auch eine andere Zahl: Nur sieben Unternehmen stehen für die Hälfte des Leitindex; Linde, SAP, Siemens, Allianz, die Telekom, Bayer und BASF machen zusammen mehr als 50 Prozent des Index aus. Denn die 30 Titel im Dax haben nicht alle dasselbe Gewicht im Leitbarometer, sondern sind nach Größe sortiert. Wie stark ein Titel den Index beeinflusst, hängt von seinem Börsenwert ab. Im Klartext: Je höher der Wert aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, desto größer sein Gewicht im Dax.

Das führt auch dazu, dass sich Anleger mit dem Dax von nur wenigen Branchen abhängig machen. Chemie- und Pharmatitel haben im Leitindex ein Gewicht von rund 25 Prozent, Auto- und Industriewerte kommen auf 20 Prozent. Damit machen sich Aktionäre mehr als in anderen Ländern von sogenannten zyklischen Branchen abhängig, deren Erfolg am Faden der Weltkonjunktur hängt. Geht es dem Welthandel gut, kann sich das positiv bemerkbar machen - kommen die Handelsströme ins Stottern, schlägt das im Leitindex sofort durch.

Mit dem Dax binden sich Anleger also nicht nur an das Schicksal weniger Unternehmen und Branchen, sondern auch an lediglich ein Land. Geht es der deutschen Wirtschaft schlecht, leiden auch die Anlagen der Sparer - während gleichzeitig möglicherweise ihr Arbeitsplatz in Gefahr gerät. Anleger gehen damit unter dem Strich ein doppeltes Risiko ein.

Nur drei digitale Firmen sind im Dax notiert: SAP, Delivery Hero und Infineon

Dazu kommt: Aussichtsreiche Digitalunternehmen sind im Dax nur spärlich vertreten. Neben dem Softwareriesen SAP hat zwar kürzlich der Online-Lieferdienst Delivery Hero den Sprung in den Leitindex geschafft, sonst sind jedoch bloß noch die Chipmacher von Infineon notiert. Auch die vielen heimlichen Weltmarktführer aus dem Mittelstand fehlen völlig - obwohl sie für die Realwirtschaft in Deutschland unabdingbar sind.

Anlageexperten empfehlen Sparern deswegen, bei ihren Index-Anlagen zumindest nicht alleinig auf den Dax zu setzen. Wer stattdessen auf Weltbörsen-Indizes setzt, kann sein Börsenrisiko schlicht besser minimieren: Geht es einem Land schlecht, ist vielleicht ein anderes gerade im Aufwind.

So sind zum Beispiel im Börsen-Weltindex FTSE All World knapp 4000 Unternehmen aus 50 Ländern rund um den Globus vertreten, das Kurspendant MSCI All Country umfasst immerhin knapp 3000 Unternehmen aus 49 Ländern. Auf ihre Art und Weise machen diese Börsenindizes den Anlegern ein einmaliges Angebot: Mit nur einem Index können Sparer gewissermaßen die ganze Welt kaufen.

© SZ
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