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Auskunfteien:Schufa-Bewertungen sollen gerechter werden

Schufa Bonitätsauskunft

Fragen zu Einkommen und Schulden müssen Bewerber richtig beantworten - sonst droht ihnen später die Kündigung.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)
  • Bislang dürfen Auskunfteien wie die Schufa für eine Bonitätsprüfung auch Daten verwenden, die mit der tatsächlichen Bonität des einzelnen Bürgers nichts zu tun haben.
  • Beim "Geoscoring" wird beispielsweise auch aus der Kreditwürdigkeit der Nachbarschaft eines Verbrauchers die Bonität des Kunden ermittelt.
  • Die Grünen haben jetzt einen Gesetzentwurf fertiggestellt, mit dem dieses Geschäftsgebaren verboten werden soll.
  • Auch die Verbraucherschutzminister der Bundesländer beraten über Änderungen.

Von Robert Roßmann, Berlin

Es gibt im deutschen Geschäftswesen mancherlei Übel, eines der größten ist das undurchsichtige "Scoring". Auskunfteien ermitteln die Bonität von Bürgern, ohne je mit ihnen Kontakt aufgenommen zu haben. Allein der Marktführer Schufa soll Daten über 66 Millionen Verbraucher gesammelt haben. Die Auskunfteien errechnen Punktwerte über die Kreditwürdigkeit der Bürger. Das Verfahren heißt Scoring; seine Details werden als Geschäftsgeheimnis deklariert und bleiben geheim, die Folgen sind für die Bürger aber oft ziemlich real.

Viele Unternehmen besorgen sich vor Vertragsabschlüssen von den Auskunfteien die Punktwerte ihrer Kunden. Banken entscheiden auch auf Basis dieser Bonitätsauskünfte, ob sie einen Kredit vergeben und zu welchen Konditionen sie das tun. Ähnliches gilt für Versicherungen, Versandhändler und andere Firmen. Wer Pech hat, bekommt nur wegen seines Alters schlechtere Konditionen, oder weil er in einem armen Stadtviertel wohnt.

An diesem Freitag beraten die Verbraucherschutzminister der Länder über diese Praxis. Der Vorsitzende der Konferenz, der Niedersachse Christian Meyer, hat bereits klargemacht, was er sich wünscht. Er verurteilt einige Formen des Scorings als "Diskriminierung". Meyers Ansicht nach darf die Kreditwürdigkeit "nicht an Vornamen, Wohnadressen oder Alter bemessen werden". Außerdem will der Grüne, dass "individuelles Surfverhalten und Facebook-Kommentare" nicht zur Bewertung der Kreditwürdigkeit genutzt werden dürfen.

Die Bundestagsfraktion der Grünen sieht das genauso. Sie hat jetzt einen Gesetzentwurf fertiggestellt, mit dem sie abstellen will, was sie für unzumutbar hält. Dazu gehört vor allem das "Geoscoring", also die Berücksichtigung des Wohnorts. Beim Geoscoring wird nicht die tatsächliche Kreditwürdigkeit des Kunden gemessen, sondern die wahrscheinliche Bonität aller Bewohner des entsprechenden Straßenzuges oder Viertels. Dazu untersuchen die Auskunfteien etwa die durchschnittliche Kaufkraft, Alters- und Bildungsstruktur oder Bebauung des jeweiligen Ortes. Kunden können also trotz untadeliger eigener Bonität einen niedrigeren Punktwert bekommen, weil ihre Nachbarn als weniger kreditwürdig eingestuft werden.

Die Grünen wollen das mit ihrem "Scoringänderungsgesetz" verbieten. Auch das Geschlecht eines Kunden oder Daten aus sozialen Netzwerken sollen künftig nicht mehr verwendet werden dürfen, genauso wie alle anderen "Daten, die diskriminierungsgeeignet oder nicht bonitätsrelevant sind".

Das Bundesjustizministerium hatte bereits im Dezember das Ergebnis einer großen Studie zur Scoring-Praxis veröffentlicht. Ihr zufolge bemängeln viele Bürger, dass bei Auskunfteien gespeicherte Daten falsch oder unvollständig sind. Justizstaatssekretär Ulrich Kelber (SPD) sagte damals, sein Ministerium nehme die Ergebnisse der Studie ernst, es dürfe "nicht sein, dass jemand zu Unrecht ein Darlehen nicht erhält, eine Wohnung nicht anmieten kann oder im Versandhandel nicht auf Rechnung bestellen kann".

Die Grünen-Fraktion will solche Missstände mit ihrem Gesetzentwurf abstellen, er soll bereits am 22. Mai im Bundestag beraten werden. "Zukünftig dürfen nicht mehr diskriminierende Daten wie Alter, Adresse oder Geschlecht zur Bonitätsprüfung herangezogen werden", sagt Renate Künast, die grüne Vorsitzende des Rechtsausschusses. Außerdem müssten die Verbraucher künftig "durch die Auskunfteien aktiv und kostenlos einmal pro Jahr über die von ihnen gesammelten Daten informiert werden". Bisher können die Bürger ihre Werte nur auf Antrag erfahren. "Die Verfahren beim Scoring sind derzeit intransparent", schimpft Künast. Die Grünen wollen die Auskunfteien deshalb auch verpflichten mitzuteilen, mit welcher Gewichtung welche Daten in den Score eingeflossen sind, welchen Vergleichsgruppen die Betroffenen zugeordnet wurden und wie lange die Daten gespeichert werden. Diese Auskünfte sollen nicht mehr mit dem Verweis auf Geschäftsgeheimnisse verwehrt werden können. "Denn die Herrschaft über unsere Daten gehört den Verbrauchern, nicht den Unternehmen", findet Künast.

© SZ vom 08.05.2015/pwe
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