Daten Der Schlüssel fürs Netz

Beim Einkauf im Internet muss man sehr häufig seine Daten preisgeben.

(Foto: Alessandra Tarantino/AP)

Deutsche Identitätsplattformen wollen Facebook und Google etwas entgegensetzen. Vor allem Verimi startet nun durch.

Von Benedikt Müller, Meike Schreiber und Nils Wischmeyer, Frankfurt/Düsseldorf

Es geht voran bei Verimi, der Identitätsplattform deutscher Konzerne im Internet. Zu den Gründungsmitgliedern stoßen an diesem Dienstag mit der Deutschen Bahn und Volkswagen Financial Services zwei neue Gesellschafter hinzu. Damit erhöht sich die Zahl der Gesellschafter auf zwölf. Dass die beiden Unternehmen mitmachen werden, hatte sich abgezeichnet, nun ist die Sache perfekt. Zu den Mitgliedern der ersten Stunde gehören Dax-Konzerne wie die Deutsche Bank, der Autobauer Daimler oder die Deutsche Telekom. Alle Beteiligten seien überzeugt, "dass die Hoheit der Kunden über ihre Daten von größter Bedeutung für Gesellschaft und Wirtschaft unseres Landes und Europas ist", sagte Markus Pertlwieser, Digitalmanager der Deutschen Bank und Sprecher der Verimi-Gesellschafter.

Die Konzerne erhoffen sich eine Menge von der Kooperation, die sie vor fast einem Jahr ins Leben gerufen haben. Das Kunstwort Verimi steht für "verify me" - zu deutsch: verifiziere mich. Das Land mag bei Autos oder im Maschinenbau weiterhin auf Weltniveau mitspielen. Im weltweiten Kampf um Daten hat Deutschland jedoch längst den Anschluss verloren. Wer bei Facebook oder Google angemeldet ist, kann sich mit deren Login auch auf vielen anderen Webseiten registrieren. Das heißt aber auch, dass die Daten dann im Silicon Valley landen und damit auch der Kontakt zum Kunden. Dem will man nun ein deutsches Log-in mit Daten auf deutschen Servern entgegensetzen. Über Verimi sollen die Nutzer eine digitale Identität anlegen können, mit der sie sich dann bei allen Gesellschaftern rechtssicher einloggen können. Der Kunde gibt einmal alle seine Daten an. Von da an kann er sich über einen Button, im Fall von Verimi einem grünen, auf verschiedenste Seiten einloggen.

Mit der Bahn und der Banktochter von VW hat Verimi zwei wichtige neue Gesellschafter gewonnen

Verimi will laut Geschäftsführer Torsten Sonntag sogar einen Schritt weitergehen als Facebook oder Google. Denn bei Verimi kann der Kunde auch Bankdaten oder seinen Personalausweis hinterlegen. "Er bekommt damit eine richtige, digitale Identität", sagt Sonntag. Auch bezahlen soll man mit Verimi können. Bislang sei man nur stufenweise gestartet, sagt Sonntag. Es würden in den nächsten Wochen aber noch zwei bis drei wichtige Partner und dann eine große Werbekampagne folgen. In den kommenden Monaten soll der grüne Button dann auf vielen digitalen Diensten der Gesellschafter und weiterer Partner auftauchen. Deshalb stört sich Sonntag nicht an den geringen Nutzerzahlen. Verimi sei bislang noch kaum bekannt. Das soll sich ab Herbst ändern.

Insgesamt mehr als 100 Millionen Euro haben die Konzerne in Verimi investiert, nun ist man bereit richtig loszulegen. Zwar läuft die Plattform schon seit Monaten und erste Partner wie die Deutsche Bank oder die Allianz bieten den Log-in an. Der Start jedoch war holprig. Schon nach wenigen Monaten hatte eine Geschäftsführerin hingeschmissen. Sie wollte mehr Durchgriffsrechte haben. Gemeinschaftsprojekte scheitern oft daran, dass alle Gesellschafter mitreden wollen, die Geschäftsführung aber zu wenige Freiheiten bekommt.

Verimi ist zudem nicht die einzige Plattform dieser Art. Die Sparkassen setzen auf den Identitätsdienstleister Yes, der über einen einfachen Button die digitale Identität sichern will.

Parallel dazu bauen die Medienhäuser RTL und Prosieben Sat1 gemeinsam mit dem Telekom-Konkurrenten United Internet einen Log-in-Standard unter dem Namen Net-ID auf. Dieser Online-Generalschlüssel soll Nutzern in Deutschland von Mitte Oktober an zur Verfügung stehen. An diesem Mittwoch will das Konsortium seine Net-ID erstmals dem Fachpublikum der Messe dmexco in Köln präsentieren. Es zeichnet sich ab, dass auch Net-ID neue Partner aus der Handels- und Medienbranche verkünden wird. Überleben wird in Deutschland mittelfristig aber wohl nur eine Identitätsplattformen. Oder beide Anbieter verbünden sich. Das sei in der Tat nicht ausgeschlossen, hieß es bei den beiden Start-ups.