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Glossar zur Finanzkrise:Von Schweinen, Schrott und Schirmen

Die Finanzkrise rückt Wirtschaftsthemen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - und mit ihnen Vokabeln, von denen viele Menschen noch nie gehört haben. Die SZ hat die wichtigsten Begriffe der Krise gesammelt und erklärt, was wirklich dahinter steckt. Denn eines ist sicher: Diese Begriffe werden uns noch lange begleiten.

AAA. Es gibt Eltern, die geben ihren Neugeborenen Vornamen, die partout mit "A" beginnen sollen. Weil Menschen oft nach dem Alphabet aufgerufen werden, sind all die Annas und Alexanders dann vorn dabei. A ist also ein besonderer Buchstabe, und wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Übertragen auf die Finanzlage von Ländern heißt das: Wer die Bestnote bei der Bonität haben will - das ist logischerweise dreimal A -, der ist gezwungen, zu sparen.

Euro-Skulptur in Frankfurt

R wie Regenschirm oder R wie Rettungsschirm?

(Foto: dpa)

Leider fällt das vielen Staaten immer schwerer, sodass Ratingagenturen zur Strafe das begehrte "AAA", das sogenannte Triple-A, entziehen. Standard & Poor's ist so mit den USA umgegangen und reduzierte auf "AA". Auch Frankreich droht die Vertreibung aus dem A-Paradies. Aber was sollen erst die Leute in Island denken? Das Land wird, je nach Agentur, mit "BBB-" oder "Baa3" oder "BBB+" benotet. Oder die Griechen (-> Junkbonds)? Die Ratingwelt will schullehrerartig ordnen, was kompliziert ist. Für die Deutschen gilt, noch, schönstes Triple-A.

Blutbad. Das Wort taucht immer dann auf, wenn es sehr ernst wird. Als ein Fehlgeleiteter auf der norwegischen Insel Utøya 69 Menschen tötete, war davon die Rede, in Libyen befürchtete man es beim Kampf zwischen Revolutionsführer Gaddafi und den Rebellen.

An der Börse fiel es am Freitag, 5. August, nach langer Zeit wieder. "Es war ein absolutes Blutbad", fasste Analyst John Richards von der Royal Bank of Scotland eine Woche zusammen, in der Aktien-Indizes auf der ganzen Welt mehr als zehn Prozent verloren hatten. In der Woche darauf sollte es noch schlimmer kommen. Auf seinem Tiefpunkt verlor der Deutsche Aktienindex 25 Prozent. Einen solchen Absturz in so wenigen Tagen hatte es zuletzt nach der Lehman-Pleite 2008 gegeben.

"Crash" und "Panik" sind andere Wörter, die in solchen Fällen zirkulieren, im Vergleich zum "Blutbad" klingen sie aber harmlos. Nur ein Händler an der New Yorker Börse schaffte es im August, das Wort zu toppen: Er sah sich auf dem "Vorhof zur Hölle".

Credit Default Swap (CDS). Der Anglizismus bedeutet: Kreditausfalltausch, es handelt sich um Versicherungen. Dabei sagt die eine Bank, sie springe ein, wenn die andere Bank nicht zahlen kann. Der CDS-Markt ist riesengroß und völlig unreguliert. Niemand weiß, wo die Risiken genau liegen. Im Einzelfall funktioniert das so: Anleger, die zum Beispiel eine griechische Staatsanleihe gekauft haben, können sich gegen den Zahlungsausfall Griechenlands versichern.

Der Preis der Police steigt mit dem Risiko des Kreditausfalls. Diese Versicherungen werden aber auch von Zockern gehandelt, die, um im Beispiel zu bleiben, überhaupt keine Griechenland-Anleihe besitzen. Diese windigen Spekulanten hoffen dann darauf, dass Griechenland tatsächlich in die Pleite geht, weil dann der Wert ihrer Versicherungspolice steigt. So machen sie einen Gewinn (-> Märkte). Das ist so, als ob der eine Nachbar darauf wettet, dass im Nachbarhaus Feuer ausbricht. Da besteht die Gefahr, dass er nachhilft.

Double Dip. Hiermit ist das zweifache Eintauchen in eine Rezession gemeint - ein völlig ungewöhnliches Ereignis. "Dip" und noch einmal "Dip". Normalerweise geht es nach einer Rezession aufwärts mit der Konjunktur. Die globale Finanzkrise aber hat diese Normalität außer Kraft gesetzt. Portugal, Griechenland und auch Dänemark verzeichneten zuletzt zwei Quartale in Folge, in denen die Wirtschaftsleistung schrumpfte - wie schon im Jahr 2008.

Ähnliches wird derzeit für die USA befürchtet. Ein Double Dip könnte durch höhere Staatsschulden verhindert werden, denn Staatsausgaben vergrößern das Einkommen, also den heimischen Konsum und die Investitionen. Mehrausgaben, so das Argument, steigerten das Wachstum (-> Konjunkturpaket). Japan machte auch deshalb eine zehnjährige Rezession durch, weil der Staat gespart hat. Die westlichen Länder sind aber mittlerweile klamm: Kredite gibt es nur zu höheren Zinsen - das wiederum kann die Konjunktur abwürgen.

Griechenland

Zuschuss fürs Nasswerden