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Daphne-Projekt:"Game Over"

In einem anderen Fall erließ ein Gericht in Palermo in einer Operation mit dem Titel "Game Over" Ende Januar 2018 Haftbefehle gegen 26 Beschuldigte. Einer der Verhafteten ist Benedetto Bacchi, der in Italien als "Glücksspielkönig" bekannt war. Mithilfe von Mittelsmännern der kalabrischen 'Ndrangheta nutzte er Lizenzen auf Malta, um seine monatlichen Gewinne auf 16 Millionen Euro zu steigern. Die Strafverfolger beschrieben sein System als "Geldautomaten", der ihm erlaubt habe, "Geld für die Zwecke der Clans abzuheben".

Wenig später entzog die MGA den in den Ermittlungsakten genannten Firmen die Lizenzen und versprach umfassende Untersuchungen aller Lizenznehmer mit Verbindungen nach Italien. Die Behörde stand unter Druck: Eine Quelle aus der maltesischen Glücksspielbranche sagte, mehrere Anbieter hätten zwischenzeitlich gedroht, die Insel zu verlassen, wenn die Regierung nicht endlich in der Branche aufräume.

Etliche Firmen mit maltesischer Lizenz haben eine kaum durchschaubare Eigentümerstruktur

Zunächst aber passierte wenig. Bemerkenswert ist vor allem der Fall der LB Group mit der Hauptmarke Leaderbet, der die MGA die Lizenz wegnahm. Gerichtsakten bringen die LB Group in Verbindung mit dem Umfeld des obersten Clanchefs der Cosa Nostra, Matteo Messina Denaro, der seit 1993 untergetaucht ist. Die Ermittler vermuten, dass er sich sein Leben im Untergrund auch mit Glücksspielmillionen aus Malta finanziert haben könnte. Und obwohl Leaderbet keine Lizenz mehr hatte, liefen die Geschäfte bis zuletzt weiter.

Erst nachdem zunächst die italienische Repubblica und das Organized Crime and Corruption Reporting Project die Recherchen veröffentlichten, waren die Webseiten von Leaderbet nicht mehr erreichbar. Bis heute ist unklar, wem die LB Group eigentlich gehörte - etliche Firmen mit maltesischer Lizenz haben eine kaum durchschaubare Eigentümerstruktur.

Bei zahlreichen weiteren Casinofirmen gibt oder gab es mutmaßliche Mafia-Verbindungen sowie Briefkastenfirmen als Eigentümer. In mindestens einem weiteren Fall ging die Behörde trotz wiederholter Ersuchen italienischer Staatsanwälte erst dann gegen einen Lizenznehmer vor, nachdem Reporter des Daphne-Projekts kritische Fragen gestellt hatten. In mehreren Fällen hatten Beschuldigte viel Zeit, Beweise zu vernichten. "Es ist leichter, mit Peru oder Kolumbien zusammenzuarbeiten", sagt der hochrangige Anti-Mafia Ermittler Nicola Gratteri. "Wenn Malta nicht kooperiert oder sechs Monate lang nicht antwortet, sind die Ermittlungen nutzlos."

Vor wenigen Tagen hat das Parlament in Valletta eine Neufassung der Glücksspielregeln verabschiedet, um die Aufsicht und den Kampf gegen Geldwäsche zu verbessern. Zugleich entdeckt Malta den nächsten Sektor für sich: den boomenden Handel mit Kryptowährungen. Ein Entwurf für eine Regulierung wird gerade diskutiert. Zuständig dafür wäre künftig der Chef der maltesischen Finanzaufsicht, Joseph Cuschieri. Er leitete einst die MGA.

Das Daphne-Projekt Die Spur nach Aserbaidschan

Das Daphne-Projekt

Die Spur nach Aserbaidschan

Die Pilatus Bank auf Malta verwaltete Dutzende Briefkastenfirmen, die offenbar dem Herrscher-Clan des Südkaukasus-Staats gehören. Über die Firmen flossen Millionen ins Ausland ab - in Immobilien und Luxushotels.   Von Mauritius Much, Hannes Munzinger, Bastian Obermayer