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Danske-Geldwäscheskandal:Ahnungslos und manchmal skrupellos

Deutsche Bank AG And Commerzbank AG End Merger Talks

Was wussten Mitarbeiter in der Zentrale der Deutschen Bank über krumme Geschäfte in Moskau?

(Foto: Alex Kraus/Bloomberg)

Ein verurteilter russischer Banker packt aus. Sein Bericht zeigt erstmals, wie leicht Kriminelle von dort aus riesige Summen verschieben konnten - auch mit Hilfe aus Frankfurt.

Die Geldwäsche in Milliardenhöhe muss fast ein Kinderspiel gewesen sein, und zwar mitten in Deutschland, wenn man den Worten des früheren russischen Bankers Boris Fomin Glauben schenkt. "Kulikov hatte Verbindungen in Frankfurt, er bekam Referenzen und konnte dort Termine machen. Er vereinbarte eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank, weil er deren Chef in der Moskauer Niederlassung kannte", heißt es in einem Brief, den Fomin über seinen Anwalt an Journalisten der dänischen Tageszeitung Berlingske zukommen ließ.

Eva Jung, Simon Bendtsen und Michael Lund veröffentlichten den Brief in ihrem aktuellen Buch "Beskidte milliarder", in dem der größte Geldwäscheskandal der Geschichte mit der Danske Bank im Zentrum aufgearbeitet wird. Rund 20 Jahre lang, so Fomin, hätten Kriminelle aus den ehemaligen Sowjetrepubliken ihr illegal erworbenes Geld mit Hilfe europäischer Banken in das globale Finanzsystem geschleust und dort gewaschen. Erst 2018 erfuhr die Öffentlichkeit Konkretes, nämlich dass zwischen 2007 und 2014 über die estnische Niederlassung der Danske Bank rund 200 Milliarden Euro mutmaßlich illegal erworbener Gelder transferiert wurden. Als Korrespondenzbank der Danske schleuste die Deutsche Bank die Gelder ins internationale Finanzsystem, ohne angesichts der großen Volumina Verdacht zu schöpfen.

Fomin, der eine sechsjährige Gefängnisstrafe in Russland absitzt, amtierte in dieser Zeit als Aufsichtsratschef der russischen Promsberbank, einer damals berüchtigten Annahmestelle für illegale Gelder. Einer der Eigner der Promsberbank war besagter Aleksej Kulikov, dem nach Aussage Fomins bei der Deutschen Bank die Türen offenstanden. Nach den Treffen in Frankfurt sei es nur noch um die "richtige Technik" gegangen, Kontrollen zu umgehen. Bei Danske und Deutsche Bank hätte die vorgeschriebene Kontrolle der Kundschaft - ob es sich um Kriminelle handelt - und der Herkunft der Gelder nicht funktioniert. Fomin behauptete weiter, die kriminellen Netzwerke hätten Insider-Informationen über Kontrollsysteme der Banken besessen. Die Deutsche Bank wollte die Aussagen Fomins nicht kommentieren.

Über die Deutsche Bank in Moskau liefen 2012 bis 2014 außerdem sogenannte Spiegelgeschäfte. Kriminelle kauften über die Handelsabteilung der Bank Aktien russischer Großunternehmen und bezahlten diese in Rubel. Im selben Moment verkauften sie diese Wertpapiere aber wieder an der Börse in London und erhielten US-Dollar. Bei dem Geschäft kam es zwar zu einem Verlust, doch das Geld - insgesamt etwa zehn Milliarden Dollar - war dadurch gewaschen. Die britische und amerikanische Finanzaufsicht brummten der Deutschen Bank deshalb Strafzahlungen von insgesamt rund 560 Millionen Euro auf.

"Die Informationen sind faszinierend, weil man nicht damit rechnen konnte, dass solche Bestätigungen aus Russland kommen würden", sagte der Anti-Geldwäsche-Experte Graham Barrow gegenüber der dänischen Zeitung Berlingske. Danske Bank und Deutsche Bank stünden vor großen Problemen, wenn sich herausstellte, dass die Sicherungssysteme Milliarden Dollar schmutzigen Geldes nicht entdeckten, möglicherweise auf Basis von Insider-Informationen.

Die Deutsche Bank soll Kinder wichtiger Funktionäre mit lukrativen Jobs versorgt haben

Nicht nur die Abwehr gegen Geldwäsche in Russland war zu lax, die Deutsche Bank überschritt dort offenbar auch rechtliche Grenzen, allein, um an Aufträge heranzukommen. Wie die Börsenaufsicht SEC nach mehreren Jahren Ermittlungen nun feststellte, hat die Bank in mehreren Fällen die Kinder wichtiger Funktionäre oder Unternehmenschefs in Russland und China mit lukrativen Jobs versorgt, ganz egal, ob sie qualifiziert waren oder nicht, um im Gegenzug an Milliardenaufträge zu kommen. Dabei ignorierten Mitarbeiter laut SEC auch die bankeigenen Richtlinien zur Einstellungspraxis neuer Mitarbeiter, wonach eigentlich nur die qualifiziertesten Kandidaten Aussicht auf einen Job bei Deutschlands wichtigstem Geldhaus hatten. Wie dies genau ablief, hat die SEC nun in fünf Fällen von 2006 bis 2014 dokumentiert und zugleich eine Geldbuße von 16 Millionen Dollar gegen die Bank verhängt - wegen Verstoßes gegen die dortigen Anti-Korruptionsgesetze. Andere US-Banken mussten deswegen ebenfalls Strafen zahlen.

Bei der Deutschen Bank profitierte laut SEC in einem der Fälle aus dem Jahr 2009 die Tochter eines Mannes, der damals in Moskau stellvertretender Finanzminister war. Die SEC zitiert sogar einen Mitarbeiter der Deutschen Bank in London mit den Worten, es sei wichtig, der Tochter einen unbefristeten Job in der Londoner Niederlassung zu verschaffen, andernfalls würde die Deutsche Bank bei einer wichtigen Anleiheemission leer ausgehen. "Wir müssen jeden taktischen und politischen Druck ausüben, um diese Verlegenheit zu vermeiden. Die Nichtteilnahme der DB ist ein Schlag ins Gesicht", schrieb der Mitarbeiter in einer E-Mail. Nachdem die Tochter später die Stelle erhielt, bekam auch die Deutsche Bank den Auftrag. Wer der Mitarbeiter in der Londoner Zentrale war, wollte ein Sprecher nicht sagen. Die Praxis gab es weltweit: In China bekam die Deutsche Bank in einem Fall einen Auftrag für den Börsengang erst, nachdem das Institut den Sohn des Firmenchefs eingestellt hatte.

Die Deutsche Bank will aus den Vorwürfen gelernt haben. Man habe mit der SEC kooperiert und zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Einstellungspraktiken zu verbessern, teilte ein Sprecher mit. Jeder Bewerber, der von einem Amtsträger empfohlen wird, gehe nunmehr durch ein Gremium, das Korruption verhindern soll.