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Danone:Demontage eines Andersdenkenden

Emmanuel Faber chief executive officer of Danone SA poses prior to attend the presentation of the

Gute Miene zum bösen Spiel: Emmanuel Faber sagt, er sei "sehr glücklich" über seine Ablösung als Vorstandschef von Danone.

(Foto: imago/IP3press)

Emmanuel Faber sträubte sich gegen pure Profitlogik. Jetzt wird der Danone-Chef entmachtet.

Von Leo Klimm, Paris

Emmanuel Faber hat seinen Kampf verloren. Der Danone-Chef wollte sich einer einseitigen Ausrichtung auf schnellen Profit widersetzen, nun aber beugt er sich: Nach wochenlangem Druck sogenannter aktivistischer Investoren tritt Faber als Vorstandschef des weltweit größten Herstellers frischer Milchprodukte zurück. Das teilte der Verwaltungsrat des Pariser Konzerns nach einer Sondersitzung mit. Faber lenkt die Geschäfte demnach nur noch so lange, bis im Lauf der nächsten Monate Ersatz für ihn gefunden ist. Den Vorsitz des Verwaltungsrats, den Faber seit 2017 ebenfalls innehat, darf er allerdings fürs Erste behalten.

Zwei aktivistische Fonds, Artisan und Bluebell Capital, bemängeln schlechte Geschäftsergebnisse und den schwachen Kurs der Danone-Aktie. Fabers Niederlage gegen sie bedeutet auch einen Schlag gegen die Firmenkultur von Danone insgesamt: Seit den 1970er-Jahren verschreibt sich das Unternehmen einem "wirtschaftlichen und sozialen Doppelprojekt". Und erst vor einem Jahr erweiterte Faber den Firmenzweck so, dass Danone auch ganz offiziell soziale und ökologische Ziele verfolgt. Er selbst spendet einen Großteil seiner Millionenbezüge für soziale Einrichtungen. "Ich strebe nach einer radikalen Veränderung der Wirtschaft", sagte er noch im Dezember der SZ.

In Anbetracht schlechter Geschäfte erweist sich allerdings: Für die klassischen Aktionäre zählt vor allem die Rendite. Dabei hatte ihnen Faber zwecks Renditesteigerung im Herbst noch ein Sparprogramm präsentiert. Unmittelbar vor der Krisensitzung hatte Faber außerdem angekündigt, eine Beteiligung in China abzustoßen - der Verkaufserlös wird größtenteils an die Aktionäre fließen. Aber auch das reichte nicht, damit sich Faber halten konnte.

Danone leidet in der Corona-Krise besonders unter den Restaurantschließungen in aller Welt. Die Erträge der Wassersparte um die Marke Evian sind weggebrochen. Das spiegelt sich im Aktienkurs: Während der Rivale Nestlé innerhalb eines Jahres nur drei Prozent an Wert verlor, büßte Danone zehn Prozent ein. Die mit 39 Milliarden Euro niedrige Börsenbewertung und ein weit gestreutes Kapital locken zudem aktivistische Investoren an. Der US-Fonds Artisan etwa war erst kürzlich eingestiegen. Er hält nur drei Prozent des Kapitals, dennoch konnte er schon Einfluss auf die Firmenführung gewinnen. Wobei die Faber-Gegner den kompletten Rückzug des Managers gefordert hatten.

Faber behauptet nach seiner Demontage, er sei "sehr glücklich", da eine neue Phase für Danone anbreche. Entscheidend für ihn wird nun sein, seine Nachfolge zu bestimmen. Doch seine Macht erodiert in dem Maß, in dem die Danone-Aktie fällt. Am Dienstag ging die Talfahrt weiter.

© SZ vom 03.03.2021
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