bedeckt München

Daimler und Chrysler:Was Daimler verloren hat

Februar 2001: Daimler will in den nächsten Jahren vier Milliarden Euro in die Sanierung der US-Tochter pumpen. Doch ein Jahr später türmen sich die Verluste bei Chrysler bereits auf fünf Milliarden Euro.

Februar 2005: Plötzlich Zuversicht. Chrysler schreibt schwarze Zahlen. Ist die Ehe doch noch zu retten? Aber in dem riesigen Industriekonglomerat Daimler-Chrysler lodert immer irgendwo ein Feuer. Die positive Entwicklung bei Chrysler wird kaum wahrgenommen. Dafür interessieren sich alle nur für die massiven Qualitätsprobleme bei Mercedes. Und die Verluste bei Toll Collect und Smart. In einem Interview bezeichnet es Jürgen Schrempp als "Quatsch", dass ein Zusammenhang zwischen den Problemen bei Chrysler und Mercedes bestehe. Es sei Unfug, dass die besten Leute nach Detroit geschickt worden seien. "Es wurde auch nie Geld an Chrysler überwiesen. Im Gegenteil. Seit dem Merger hat Chrysler deutlich mehr als sieben Milliarden Euro zum Operating Profit des Konzerns beigetragen." Und dann das kühne Lob für den, nun ja, Partner: Die Chrysler-Group "schafft Wert".

Juli 2005: Der Aufsichtsrat ist von den wertschaffenden Maßnahmen des Jürgen Schrempp freilich nicht mehr überzeugt: Der Daimler-Chef muss gehen und wird durch Dieter Zetsche ersetzt. Die Börse feiert den Abgang mit einem fulminanten Kurssprung: Die Daimler-Aktie gewinnt rund zehn Prozent.

14. Februar 2007: Zetsche kündigt tiefe Einschnitte bei Chrysler an - und schließt erstmals eine Scheidung nicht aus.

3. August 2007: Die kommt dann rasch: Der US-Finanzinvestor Cerberus übernimmt 80,1 Prozent von Chrysler und zahlt dafür 5,5 Milliarden Euro. 20,1 Prozent verbleiben bei Daimler.

4. Oktober 2007: Wieder gibt es eine außerordentliche Hauptversammlung. Diesmal soll die Trennung von Chrysler besiegelt werden. Erleichtert stimmen die Aktionäre zu: Daimler-Chrysler heißt fortan nur noch Daimler.

24. Juni 2008: Von den Unterhaltszahlungen ist Daimler noch lange nicht befreit: Chrysler nimmt einen von Daimler zugesagten Kredit in Höhe von 1,15 Milliarden Dollar in Anspruch.

27. April 2009: Daimler trennt sich endgültig von Chrysler und tritt seinen Restanteil an Cerberus ab. Das kostet Daimler nochmals 540 Millionen Euro. Die in Anspruch genommenen Kredite muss Chrysler auch nicht mehr zurückzahlen. Erst jetzt, nach neun gemeinsamen Jahren ist für Daimler das Kapitel Chrysler endgültig beendet.

Alles in allem dürfte Daimler die Hochzeit im Himmel rund 40 Milliarden Euro gekostet haben. Autoanalyst Jürgen Pieper schätzt, dass dabei an Verlusten und Sonderbelastungen rund zehn Milliarden aufgelaufen sind. Weit schwerer wögen allerdings die Investitionen in Chrysler, die Pieper auf bis zu 30 Milliarden Euro schätzt. Für Daimler sind sie nun verloren.

© sueddeutsche.de/pak
Zur SZ-Startseite