Krieg in der Ukraine:Daimler stoppt Bau von Trucks in Russland

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Krieg in der Ukraine: Ein Fließband im russischen Naberezhnye Chelny: Über zehn Jahre lang hat Daimler hier in einem Joint Venture mit dem russischen Unternehmen Kamaz Trucks produziert.

Ein Fließband im russischen Naberezhnye Chelny: Über zehn Jahre lang hat Daimler hier in einem Joint Venture mit dem russischen Unternehmen Kamaz Trucks produziert.

(Foto: imago)

Für die Stuttgarter endet damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Unklar ist noch, was mit den Anteilen von Daimler am russischen Partnerunternehmen passieren soll. 

Von Max Hägler und Christina Kunkel

Vor zwei Jahren strahlte alles noch, gab es schöne Fotos von Daimler-Lastwagen in Russland: Der 25.000 Lastwagen mit Mercedes-Stern am Kühlergrill war im russischen Werk fertiggestellt worden an jenem Dezembertag im Jahr 2020. Ein weißer "Actros", wie die ganz schweren, starken Zugmaschinen genannt werden, die man auch auf deutschen Straßen sieht.

Eine Erfolgsgeschichte: die Laster werden in Deutschland vorgebaut, in Kisten und Container verpackt und dann in Tatarstan, hunderte Kilometer östlich von Moskau, in einem Joint Venture mit dem russischen Hersteller Kamaz zusammengeschraubt. Im Jahr 2008 unterzeichnete der damalige Daimler-Truck-Chef Andreas Renschler die entsprechenden Verträge: "Mit unserer strategischen Partnerschaft bei Kamaz folgen wir der Wachstumsstrategie von Daimler Trucks", hieß es. Unternehmensberater erzählten, wie dies ins "Global Excellence Programms" des Unternehmens passe. Deswegen beteilige man sich auch an dem Fahrzeugbauer Kamaz direkt, die mit ihren schweren Fahrzeugen etwa die Truck-Wertung der Rally Dakar beherrschen.

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Doch nun haben nicht mehr die Manager das Primat, sondern die Politik. Und das Joint Venture und die Beteiligung scheint angesichts von Putins Krieg in der Ukraine am Ende zu sein, jedenfalls für den Moment: In der Nacht zu Montag teilte ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung mit, Daimler Trucks habe sämtliche LKW-Aktivitäten bei Kamaz eingefroren: "Es wird nichts mehr gebaut und nichts mehr geliefert."

Es ist ein großer Schwenk, denn üblicherweise hieß es bei Daimler zu jedem Konflikt: Man habe mit Kamaz klar denn Bau von zivilen Lastern vereinbart, Fahrzeuge zum "Dual Use" seien nicht zulässig. Aber natürlich kann so ziemlich jeder Wagen, der in Friedenszeiten gut fährt, auch in Kriegszeiten genutzt werden. Die Manager sowohl von Mercedes Cars, wo das Joint Venture rechtlich noch aufgehängt ist, wie auch von Daimler Trucks berieten am Wochenende intensiv. Und angesichts der weitgehenden Sanktionsentscheidungen der deutschen Bundesregierung am Samstagabend wäre wohl keine andere Entscheidung möglich gewesen - trotz des bisherigen Erfolgs des Joint Venture.

Wie Mercedes nun mit seinem Anteil an Kamaz in zweistelliger Höhe umgeht, werde "juristisch geprüft und mit den relevanten Stellen der Bundesregierung besprochen", heißt es aus Stuttgart.

Auch Zulieferer ZF stoppt Lieferungen nach Russland

Der Autobauer ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das eng mit Kamaz zusammenarbeitet. Der Zulieferer ZF aus Friedrichshafen hat seit 2005 ein Joint Venture mit Kamaz, die ZF Kama. Am Stammsitz Nabereschnyje Tschelny in der Republik Tatarstan stellen die Unternehmen gemeinsam Lkw-Getriebe her. Insgesamt beschäftigt ZF in der Ukraine und Russland rund 600 Menschen, darunter rund 450 in der Fertigung von ZF Kama.

Noch will sich der Zulieferer nicht festlegen, wie es langfristig mit der Kooperation weitergeht. Man analysiere in einer Taskforce die Umsetzung der internationalen Sanktionsmaßnahmen, heißt es am Montag aus Friedrichshafen. Und doch: ZF habe "alle Lieferungen nach Russland, auch die zum Joint Venture ZF Kama, eingefroren," sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der SZ.

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