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Daimler: Sparprogramm:Der Aderlass des Dieter Zetsche

Massive Lohneinbußen: Daimler-Chef Zetsche geht seinen Mitarbeitern wegen der schweren Absatzkrise ans Geld - sie müssen auf fast zehn Prozent Gehalt verzichten.

Außergewöhnliche Krise, außergewöhnliche Maßnahmen: Der Autohersteller Daimler hat mit dem Betriebsrat ein rigoroses Sparpaket vereinbart. Kernbestandteil: Ein herber Einschnitt bei der Entlohnung.

Daimler, Zetsche, Foto: Reuters

Kurzarbeit, fehlende Aufträge: Dem einstigen Vorzeigekonzern Daimler um Vorstandschef Dieter Zetsche setzt die Krise zu.

(Foto: Foto: Reuters)

Am härtesten trifft es rund 60.000 Beschäftigte in Verwaltung, Forschung, Technik und Vertrieb, die nicht in Kurzarbeit sind.

Ab Mai wird ihre Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt, wie Personalvorstand Wilfried Porth in Stuttgart mitteilte. Ingesamt sollen bei den Arbeitskosten zwei Milliarden Euro eingespart werden. Die Ergebnisbeteiligung in Höhe von 1900 Euro für das vergangene Jahr wird erst einmal nicht ausbezahlt.

Lohnerhöhung auf Oktober verschoben

Die eigentlich für Mai geplante Tariferhöhung um 2,1 Prozent für alle Mitarbeiter wird auf Oktober verschoben. Im Gegenzug erhalten alle Beschäftigten Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende Juni 2010. "Uns ist bewusst, dass wir den Beschäftigten schmerzhafte Einschnitte zumuten", sagte Porth.

Auch Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm, der für die Einhaltung der Tariferhöhung gekämpft hatte, sagte, das Sparpaket sei "ohne Alternative". Es sei besser, Lohzuwächse zu kappen, als in die Besitzstände der Beschäftigten einzugreifen.

Die Zustimmung des Betriebsrats zu der Verschiebung der Lohnerhöhung um fünf Monate stelle aus seiner Sicht "keinen Präzedenzfall" dar. Vorrangiges Ziel bei den vergangenen Gesprächen mit der Konzernspitze sei die Beschäftigungssicherung gewesen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Daimler bis Ende 2011 ausgeschlossen. Von dieser Regelung waren allerdings rund 16.000 Mitarbeiter ausgenommen, die nach der Unterzeichnung im Jahr 2004 eingestellt wurden. Für diese Mitarbeiter gelte nun die Beschäftigungssicherung bis zum 30. Juni 2010, sagte Klemm.

© sueddeutsche.de/Reuters/AP/mel
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