Daimler Li Shufu auf Deutschlandreise

Geely-Gründer Li Shufu hat mit Daimler Großes vor.

(Foto: obs/Zhejiang Geely Holding Group/dpa)
  • Der chinesische Geschäftsmann Li Shufu reist demnächst durch Deutschland, um für seinen Einstieg beim Autobauer Daimler zu werben.
  • Li stammt aus einer armen Reisbauernfamilie und ist heute Chef der erfolgreichsten Autofirma Chinas.
  • Nach eigener Aussage möchte er Daimler "auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität begleiten", sagte er.
Von Thomas Fromm

Die Art von Reise, die den Chinesen Li Shufu in diesen Tagen nach Deutschland führt, nennt man in Geschäftskreisen Roadshow. Der milliardenschwere Chinese kommt nicht, um sich den Kölner Dom anzuschauen. Ziel der Roadshow ist es, für seinen Einstieg beim Autobauer Daimler zu werben. Und das sieht dann so aus: Am Montag Gespräche in der Daimler-Zentrale, es sollen Treffen mit Finanzchef Bodo Uebber und Konzernchef Dieter Zetsche auf dem Programm stehen. Dann zieht der Mann, der aus einer armen Reisbauernfamilie stammt und heute Chef des erfolgreichen chinesischen Autokonzerns Geely ist, weiter nach Berlin, wo er von Lars-Henrik Röller, dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, erwartet wird.

Ein weiter Weg also für den Chinesen.

Chinese wird größter Aktionär bei Daimler

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Aber bei Käufen in dieser Größenordnung ist so eine Reise Pflicht: Li Shufu hat fast zehn Prozent der Daimler-Aktien gekauft; ein Paket mit einem Wert von an die sieben Milliarden Euro. Er hat damit den Staatsfonds von Kuwait (Anteil: 6,8 Prozent) als bisher größten Anteilseigner in Stuttgart abgelöst.

Und jetzt kommt er nach Deutschland, um allen zu sagen: Keine Angst, ich meine es gut. Er freue sich, "Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten", sagte er am Wochenende. Daimler hieß den Neuen freundlich willkommen; Li sei ein "langfristig orientierter Investor", und auch der sonst oft nicht gerade unkritische Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer lobte Li Shufu als "gut berechenbaren und wichtigen Anker-Investor". Er sei ein "blendender Stratege", der dabei sei, "einen der wichtigsten Weltkonzerne für Mobilität aufzubauen". Geely sei für Daimler "fast so etwas wie eine Familie Quandt bei BMW oder Porsche-Piëch bei VW", glaubt der Autoexperte. Das sind große Worte über einen Investor, über den hierzulande längst nicht so viel bekannt ist.

Was aber genau wird Daimlers Rolle in der großen Autowelt des Li Shufu sein? Fakt ist: Er hat Europa und die Welt im Visier, und Daimler ist nur ein Schritt hin zu einem automobilen Weltkonzern. 2010 hatte er bereits den Autobauer Volvo gekauft, sieben Jahre später folgte der Einstieg beim Lkw-Bauer Volvo Trucks. Jetzt geht es darum, diesem Reich einen renommierten Premiumhersteller wie Daimler hinzuzufügen. Warum aber Daimler und nicht BMW oder die VW-Tochter Audi?

Es ist einfacher, bei Daimler größter Aktionär zu werden

Daimler ist nicht im Mehrheitsbesitz einer Familie. Wer hier investiert, hat es also vor allem mit vielen Kleinaktionären zu tun und nicht mit großen Ankerinvestoren, die bei Hauptversammlungen die Sperrminorität besitzen. Auf diese Weise ist man schnell größter Aktionär.

Weitere Aktienkäufe seien derzeit nicht in Planung, hieß es am Wochenende. Für die Bundesregierung bestehe daher zurzeit "weder außenwirtschaftsrechtlicher noch wettbewerbsrechtlicher Handlungsbedarf", so ein Regierungssprecher.

Li Shufu sucht nach einer Allianz für autonomes Fahren und Elektroantriebe, Daimler sucht einen Ankeraktionär. Beide suchen sie nach Wegen, aggressive Wettbewerber wie Tesla, Google oder Uber abzuwehren. Li glaubt, dass nicht viele Hersteller den großen technologischen Wandel in der Branche überleben werden, und bei Daimler glaubt man, dass die Chancen mit einem chinesischen Partner gut stehen.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Hoffnungen erfüllen. Oder ob Daimler in den kommenden Jahren einfach nur chinesischer werden wird.

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