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Daimler:Kein Jahresbonus mehr

Arbeitgeber und Arbeitnehmer beim Stuttgarter Autobauer haben sich auf ein Sparpaket geeinigt: Die lange üblichen und üprigen Jahresprämien fallen diesmal komplett aus. Auch an anderer Stelle gibt es Einschnitte.

Von Stefan Mayr, Stuttgart

Management und Betriebsrat des Autobauers Daimler haben sich auf ein Sparpaket geeinigt, um die Personalkosten zu senken und das Unternehmen so durch die Corona-Krise zu bringen. Die Mitarbeiter in Verwaltung und Produktion verzichten in diesem Jahr auf ihren Jahresbonus. Zudem arbeitet das Personal in der Verwaltung und in den produktionsnahen Bereichen - zum Beispiel in der Logistik - zwölf Monate lang zwei Wochenstunden weniger ohne Lohnausgleich. Zusätzlich müssen die etwa 130 000 Tarifangestellten im kommenden Jahr auf das tarifliche Zusatzgeld verzichten und stattdessen bezahlte Freistellungstage nehmen. Die außertariflichen Angestellten sind davon nicht erfasst. Ihre Gehälter sind aber oft an das Geschäftsergebnis gekoppelt; zudem hat diese Gruppe in der Pandemie auf zehn Prozent Gehalt verzichtet.

Mit der Einigung sind die von Personalvorstand Wilfried Porth zuletzt ins Gespräch gebrachten betriebsbedingten Kündigungen vom Tisch. "Wir danken der Belegschaft für ihren wichtigen zeitlich befristeten Beitrag, um diese Krise gemeinsam zu bewältigen", sagte Porth. Er betonte aber auch, dass mit dieser Einigung die Probleme des vom technologischen Umbruch und von der Corona-Krise gebeutelten Herstellers noch längst nicht gelöst sind: "Darüber hinaus gilt es, weiterhin miteinander die langfristigen strukturellen Themen anzupacken und zu lösen." Nur das sichere die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze.

Die Daimler AG hatte im zweiten Quartal einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro verbucht. Weil die Nachfrage nach Automobilen wohl auch in den kommenden Monaten schwach bleiben wird, muss der Konzern dringend Fixkosten sparen, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. "Die vereinbarten Eckpunkte sind ein deutlicher Beitrag zur Sicherung der Beschäftigung und Stabilisierung unserer Finanzlage", sagt Betriebsratschef Michael Brecht. In einem Gespräch mit der Automobilwoche bezifferte er den Wert des Pakets: "Wir reden hier über ein Einsparvolumen von 450 Millionen Euro." Das entspreche der Leistung von etwa 7000 Mitarbeitern. Zugleich bleibe die Beschäftigung bei Daimler gesichert und betriebsbedingte Kündigungen seien bis 2030 ausgeschlossen.

Parallel zu den jetzt beschlossenen Sparmaßnahmen läuft das bereits im Herbst 2019 gestartete Effizienzprogramm weiter, mit dem Daimler-Chef Ola Källenius langfristig etwa zwei Milliarden Euro Fixkosten pro Jahr sparen will und etwa 20 000 von weltweit 300 000 Arbeitsplätzen abbauen will. Dies soll sozialverträglich geschehen, betonte er bei der Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen. Daimler bietet seinen Mitarbeitern Altersteilzeit-Verträge und Abfindungen an, um Stellen in der Verwaltung zu reduzieren. Durch die Corona-Pandemie kam dieses Programm aber ins Stocken. Erstens, weil die Terminierung von Verhandlungsgesprächen aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen schwierig war. Zweitens, weil nur wenige Mitarbeiter angesichts der bevorstehenden Flaute in der Automobilbranche Lust verspüren, ihren Job aufzugeben.

Für das Jahr 2018 hatte Daimler den etwa 130 000 Tarifmitarbeitern in Deutschland noch knapp 5000 Euro Prämie bezahlt, im vergangenen Jahr waren es aufgrund der schwierigen Finanzsituation nur noch 1000 Euro.

© SZ vom 29.07.2020

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